Zwischen Chancen und Hemmnissen bei der Entwicklung des Lausitzer Seenlandes: Tourismusministerin Barbara Klepsch zu Besuch am Geierswalder See
Die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch, informierte sich Anfang Juli am Geierswalder See über die touristische Entwicklung im Lausitzer Seenland. Die Ministerin besuchte dabei drei Betriebe, um mit den Betreibern direkt ins Gespräch zu kommen. Was läuft gut und in welchen Punkten gibt es noch Verbesserungsbedarf?
Jannis Simons
Der erste Termin führte die Ministerin zum Leuchtturm Geierswalde. Für alle nicht Einheimischen stellt der Weg dorthin aktuell fast einen kleinen Abenteuerurlaub aufgrund der umliegenden Baustellen dar. Hinter ein paar Bauzäunen liegt dort aber ein kleines Urlaubsparadies. Geschäftsführerin Heike Struthoff hat mit ihrem Team eine echte Wohlfühloase geschaffen für Touristen, kulinarische Feinschmecker und Gäste, die hier feiern und anschließend in den liebevoll hergerichteten Appartements gleich übernachten können. Aktuell größtes Problem? Die Berufsschule für die Auszubildenden liegt im brandenburgischen Sedlitz. Von dort ist es für Unter-18-Jährige ohne Autoführerschein, eine echte Herausforderung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. So habe der Leuchtturm schon ein paar hoffnungsvolle Azubis, beispielsweise sogar aus Marokko, an Standorte wie Dresden oder München verloren. Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Lausitzer Seenland, erklärte, dass der Landkreis Oberspreewald-Lausitz schon eine länderübergreifende Buslinie rund ums Seenland untersucht, die auch für Gäste interessant sein könnte. Aktueller Stand? „Das Gebiet schließt drei Verkehrsverbünde mit ein. Es ist also ein schwieriges Unterfangen“, resümierte Winkler etwas ernüchternd. Dabei liegt das touristische Wachstumspotenzial der Region auf der Hand. Rund 850.000 offizielle Übernachtungen pro Jahr gibt es aktuell im Lausitzer Seenland. 1,5 Millionen zusammen sollen irgendwann erreicht werden. Brandenburg habe dabei die Nase klar vorn, was für Daniela Mark, Inhaberin von „Open-Water-Resort Lausitz“ aber gerade den Reiz des Lausitzer Seenlands ausmacht. „Vom Volltourismus am Senftenberger See bis hin zu der noch hier vorhandenen Ruhe und Idylle am Geierswalder See – es ist im Verbund der Seen für jeden Geschmack alles da“, so die gebürtige Erzgebirglerin.

Vom Winterwunderland ins Seenland
Ihre Anlage umfasst fünf schwimmende Häuser bzw. fünf „Wohneinheiten“ auf dem Wasser und zehn Ferienappartements verschiedenster Größer für zwei oder vier Personen an Land. Vor kurzem ist noch eine schwimmende Sauna dazugekommen. „Von Tagungen, Geburtstagsfeiern, Schulanfänge bis hin zu traumhaften Hochzeiten – es gibt nichts, was wir auf unserem Gelände nicht anbieten“, schwärmt die leidenschaftliche Wassersportlerin, die mit ihrer Familie „das Haus am See“ suchte und dadurch vom Winterwunderland ins Seenland gezogen ist. „Das Lausitzer Seenland hat wahnsinnig tolle Ecke“, meint Frau Mark, die es nach eigener Aussage selbst lange Zeit unterschätzt habe, wie schön es in Sachsen sein kann.
„Das soll mal der schönste Strand im Seenland werden“
Daniel Just, Geschäftsführer beim Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen, nahm den Besuch der Ministerin gleich zum Anlass, um für weitere Fördermittel zu werben. Der Verband kümmert sich um verschiedene Aufgaben, wie beispielsweise die Errichtung von Wegeleitsystemen, Bauen von Schutzhütten, Fahrradständern, Schaffen von Tischen und Bänken und weitere Kombinationen an den Seen. „Als kommunale Hand sind Fördergelder natürlich immer gern gesehen“, so Just. Nächstes großes Projekt ist der Koschendamm, der zwischen Geierswalder und Partwitzer See liegt. Zum einen plane dort die Gemeinde Elsterheide die Aufwertung zu einem hochwertigen Strand mittels Fördermittel. Zum anderen schreibt der Zweckverband demnächst schon Flächen aus für ein Ferienhausgebiet für bis zu 200 Ferienhäuser. Dietmar Koark, scheidender Bürgermeister der Gemeinde Elsterheide, meint: „Das soll mal der schönste Strand im Lausitzer Seenland werden.“

Und wie fällt das Resümee von Tourismusministern Klepsch aus? „Es ist unglaublich, wie sich das Lausitzer Seenland entwickelt hat und noch weiterentwickeln wird. Tourismus ist für mich eine Ankerfunktion, auch für weitere Wirtschaft, die sich hier ansiedeln wird.“ Sie wolle jetzt die Zusammenarbeit mit Brandenburg verstärken, um zu schauen, wie man die Tourismusregion gemeinsam weiter stärken kann. Das sei ein ganz wichtiger Schwerpunkt, den sie von den Gesprächen vor Ort mitnehme. Dazu gehöre auch, dass es weitere Investitionen, vor allem auf der sächsischen Seite des Seenlands brauche. Was aus Ihrer Sicht noch wichtig ist? „Ein positiver Blick in die Zukunft und die Partner, die ich hier getroffen habe, die sind voller Optimismus und komplett zukunftsgewandt.“ Oder um es mit den Worten von der Leuchtturm-Geschäftsführerin zu sagen: „Ey Leute, wir haben hier so viel Potenzial: Flächen für Einfamilienhäuser, touristische Freizeitangebote und vieles mehr. Wir müssen hier weiter Dinge machen, die außergewöhnlich sind und Anlaufpunkte an allen Verbundseen schaffen. Dann kommen auch immer mehr Leute hier her“, ist Heike Struthoff überzeugt.
Mehr Informationen unter:
Weitere spannende Beiträge über Macher, Unternehmer, deutschlandweit einzigartige Projekte „Made in Lausitz“ usw. lesen Sie in der Sommerausgabe 2023 des »STARK für die LAUSITZ«-Magazins des WochenKurier. Das Magazin finden Sie kostenfrei in vielen Auslagenstellen in der Ober- und Niederlausitz sowie als E-Paper hier.
