WRL-Strukturwandel-Manager Heiko Jahn über die Chancen der Lausitz
Stell Dir vor, es ist Strukturwandel und keiner geht hin? Nach wie vor scheint über die Chancen der Lausitz, die sich durch den Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038 ergeben, zu wenig bekannt zu sein – obwohl Millionen in die Lausitz fließen (werden), obwohl bereits wie mit dem Deutsche Bahn Werk in Cottbus erste Erfolge sichtbar sind und obwohl die Lausitz als Modellregion für Europa fungiert. Deshalb fand in der vergangenen Woche eine weitere Veranstaltung statt, in der über die Möglichkeiten informiert wurde, welche sich durch die Strukturentwicklung ergeben.
C.M. Schwab
Auf Einladung des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW) referierte Heiko Jahn, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH (WRL), zu den Förderprogrammen, die den regionalen Unternehmen helfen sollen, sich auf eine neue Struktur, die unabhängig von der Braunkohlewirtschaft funktionieren muss, vorzubereiten. Heiko Jahn, den der regionale BVMW-Repräsentant Ralf Henkler als „großen Kämpfer für die Lausitz“ vorstellt, weiß um die Unsicherheit, die nach wie vor beim Thema Kohleausstieg besteht. Denn Jahn ist „einer von hier“. Im Kraftwerk Lübbenau-Vetschau Instandhaltungsmechaniker gelernt, arbeitete er jahrelang als Schweißer in weiteren Kohle-Kraftwerken der Region und erlebte am eigenen Leib den Strukturbruch und die Abwicklungen ganzer Branchen nach der Wende. Motivation genug für ihn, sich dafür einzusetzen, dass es dazu nicht mehr kommt. Jahn holte später das Abitur nach, studierte und wurde Dezernent beim Landkreis Dahme-Spreewald. Seit 2019 managt er als Chef der WRL im Auftrag der Landesregierung Brandenburg den Transformationsprozess der brandenburgischen Lausitz. Eine enorme Verantwortung, die darin besteht, über 10 Milliarden Euro, die bis 2028 an Fördermitteln nach Südbrandenburg fließen sollen, so zu verteilen, dass regionale Strukturen zukunftsorientiert entwickelt und neu ausgerichtet werden, so dass sie Bestand haben. Das ist ein Prozess, der die Lausitz, eine von vom Kohleausstieg betroffenen deutschen Regionen, vor große Herausforderungen stellt. Aber einen Bruch wie in den 90er Jahren wird es nicht geben, ist Jahn überzeugt.
Es geht nicht darum, schnell Geld auszugeben
Die Lausitz bietet eine Mischung aus Tradition und Moderne. Sie verbindet in einzigartiger Weise Wirtschaft, Wissenschaft, Kulturlandschaft und Lebensqualität. Darauf ist gut aufzubauen. Vor den Unternehmern erläutert der WRL-Chef, wie Förderanträge qualifiziert werden, so dass die vorgeschlagenen Projekte dem Wandel erfolgreich dienen und wie regionale Betriebe davon profitieren können. Der Ansatz, wie in Brandenburg entsprechend Projekte entwickelt werden, ist einer, der auf vielfältige Kompetenz setzt. In fünf Werkstätten, die sich Themen wie z.B. Fachkräftesicherung, Digitalisierung, Infrastruktur oder Kultur und Tourismus widmen, sitzen – ehrenamtlich – eine Vielzahl von Experten, Verbands- und Wirtschaftsvertretern aus der Region, die entsprechende Erfahrungen nachweisen. So vertritt beispielsweise Ralf Henkler vom BVMW den Mittelstand bei zwei Werkstätten. In einer offenen Diskussion werden dort Projekte bewertet und entwickelt, bevor sie zur Landesregierung zur endgültigen Entscheidung gehen. In der Regel folgt man den Vorschlägen der Werkstätten – mitnichten also werden hier von oben herab, über die Köpfe der Betroffenen hinweg, Beschlüsse gefasst. Es ist eher umgekehrt, so der WRL-Chef. Selbst einzelne Ministerien geben eigene Projekte zur Prüfung in die Werkstätten. Manche Projekte sind bereits seit drei Jahren in Bearbeitung – „aber das ist ok“, meint Jahn. Es ginge nicht darum, schnell Fördergelder auszugeben, sondern nachhaltig anzulegen.

Foto: Jörg Tudyka
Es ist noch genug Geld da
72 Projekte in einem Gesamtvolumen von 1,8 Mrd. Euro sind bislang bestätigt – es ist also noch genug Geld da. Die meisten Vorhaben befinden sich erst in der Startphase, weshalb von ihnen noch kaum etwas zu sehen ist. Überdimensional sichtbar dagegen ist mit der ersten Halle des DB-Bahnwerks in Cottbus ein Flaggschiff des Lausitzer Strukturwandels.
„STARK für die LAUSITZ“ mit großem Spree-Neiße-Special
Im Oktober 2023 erschienen ist die Herbstausgabe des „STARK für die LAUSITZ“-Magazins. Dieses Magazin ist von den Leuchtturm-Projekten des Landkreises Spree-Neiße sowie der Städte Forst, Guben und Spremberg geprägt. Darin geht es auch um ein 15-geschössiges Fachkräftecollege im Industriepark Schwarze Pumpe (Seite 26). Natürlich werfen wir aber auch wie immer einen Blick auf aktuelle Entwicklungen in der Oberlausitz. Das alles haben wir unter dem Titel „Wandel durch Innovation“ auf 48 Seiten kompakt dargestellt. Hier geht’s zum kostenfreien E-Paper.
