Wissenschaftsachse Berlin – Cottbus: Was steckt dahinter?
Die Berliner SPD-Landesvorsitzende Franziska Giffey besuchte Ende September die Stadt Cottbus. Thema war u.a. die geplante Wissenschaftsachse Berlin – Cottbus mit dem Lausitz Science Park.
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In einem Gespräch mit dem damaligen OB-Kandidaten Tobias Schick, Vertretern der Stadt Cottbus und mit Prof. Dr. Michael Hübner, Vizepräsident für Forschung und Transfer der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) wurde der SPD-Landesvorsitzenden, Franziska Giffey, der aktuelle Stand der Dinge zur geplanten Wissenschaftsachse „Berlin Adlershof – Cottbus“ im Rahmen des geplanten Lausitz Science Park (LSP) vorgestellt. Unter Federführung der BTU Cottbus-Senftenberg soll in den nächsten Jahren am Standort Cottbus eine Innovationslandschaft mit internationaler Strahlkraft entstehen, die exzellente Grundlagen- und angewandte Forschung mit innovativen Ausgründungen und zahlreichen Unternehmensansiedlungen vereint.
Prof. Hübner erzählte, dass zurzeit schon Abstimmungsgespräche mit den Geschäftsführungen des Potsdam Science Parks sowie des Technologieparks Adlershof zur zukünftigen Zusammenarbeit laufen. Der LSP soll sich somit in die Aktivitäten dieser Parks einreihen und das Portfolio der Expertise in den Ländern Berlin und Brandenburg ergänzen. Das große Ziel dabei sei die Realisierung von Europas größtem Netzwerk aus Science Parks, um mit dieser Strahlkraft nachhaltig Arbeitsplätze, hervorragende Ausbildung und exzellente Lebensqualität in der Region zu schaffen, so der BTU-Vizepräsident. Mehr als 10.000 neue Arbeitsplätze sollen allein im Rahmen des LSP entstehen – „Vom Akademiker zur Fachkraft, von der Erzieherin zur Managerin“, heißt es auf der offiziellen Website der BTU. Bei konservativer Schätzung wird von einer Bruttowertschöpfung von mehr als 1 Milliarde Euro, was Steuereinnahmen von ca. 225 Millionen Euro bedeuten würde, gesprochen. Diese Zahlen ergeben sich aus einem Schnittzug auf der Basis eines Vergleichs mit dem Technologiepark Adlershof. Regionale Effekte könnten Investitionen in Infrastruktur (Wohnen, Kita, Schule, Mobilität, Gastronomie, Kultur) sein. „Die BTU würde sich damit in die besten Universitäten Deutschlands einreihen“, ist sich Prof. Hübner sicher. Berlins amtierende Bürgermeisterin Franziska Giffey zeigte sich beeindruckt, dass dieser Park so einen starken Einfluss auf die ganze Region ausüben würde.

„Berlin und Brandenburg zukünftig zusammendenken“
Der im Endausbau 420 Hektar große Lausitz Science Park wird auf dem Gelände des Technologie- und Innovationsparks, dem sogenannten TIP-Gelände, am nordwestlichen Stadtrand von Cottbus auf dem ehemaligen Flugplatz Cottbus-Nord, in direkter Nachbarschaft zum Hauptcampus der BTU, einen Teilbereich abbilden. Damit ist er flächenmäßig genauso groß wie das große Vorbild Berlin Adlershof. Das erste in Vorbereitung befindliche Projekt im Rahmen des LSP mit einem geplanten Baubeginn 2025 ist das „Center for Hybrid Electric Systems Cottbus“ (CHESCO). Zahlreich renommierte Projektpartner, wie u.a. Rolls Royce, die Deutsche BAHN AG, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. und die Fraunhofer-Gesellschaft, sind bereits an Bord. Dabei sollen hybrid-elektrische und elektrischen Systeme in den Bereichen Luftfahrt, Bahn, Straße und Off-road erforscht und entwickelt werden.
„Es gilt jetzt, die Hoffnung in Realität in allen Köpfen umzuwandeln“, erklärte Doreen Mohaupt, Fachbereichsleiterin Stadtentwicklung der Stadt Cottbus. Insgesamt werden ca. 4 Milliarden Euro aus Strukturfördermitteln allein in Cottbus investiert.
Giffey betonte zum Abschluss: „Berlin und Brandenburg müssen zukünftig viel stärker zusammengedacht werden.“ Der entscheidende Vorteil, den Cottbus hat: Hier gibt es noch genug Flächen für neue Innovationen. „Wir sehen heute schon unsere über 4.000 Start-Up-Unternehmen in Berlin, die wachsen wollen und Fläche suchen. Da bietet der hier geplante Park auch eine große Chance“, so Giffey. Von Vorteil sei auch, dass sich der Großteil der Flächen des geplanten LSP in kommunaler Hand befinden. „Damit gewinnt man Jahre“, so die Bereichsleiterin Stadtentwicklung. Aktuell erhalte die Stadt sehr viele Bauanträge.

Anders als vor 10 Jahren müsse jetzt aber genau geschaut werden, wer passt im Kontexts des LSP forschungswissenschaftlich hierher. Die Stadt Cottbus habe also schon jetzt quasi die Qual der Wahl. „Hier können wir Zukunft gestalten, indem wir viele neue Arbeitsplätze an diesem Entwicklungsstandort etablieren“, so der frisch gewählte neue Cottbuser Oberbürgermeister, Tobias Schick. Dafür sei es ganz entscheidend, dass wir hier vor Ort gut zusammenarbeiten und -leben, sodass sich ganz viele neue Menschen für Cottbus entscheiden und als Fachkraft hierherkommen.

Foto: Simons