Wie sieht das Stimmungsbild in der Lausitz aktuell aus?

Seit 2020 erhebt die MAS Gesellschaft für Marktanalyse und Strategie die repräsentative und länderübergreifende Bevölkerungsstudie Lausitz-Monitor mit interessanten Ergebnissen. Die sechste Befragung fand im März/April 2025 in Zusammenarbeit mit der Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung (SAS), der Domowina (Bund Lausitzer Sorben) und dem Deutschen Zentrum für Astrophysik (DZA) statt, dessen Ergebnisse vor kurzem veröffentlicht wurden. Wird der Strukturwandel in der Lausitz akzeptiert, von der Bevölkerung entsprechend wahrgenommen und von den Entscheidern gut kommuniziert?

Matthias Stark / Jannis Simons

Ziel des Projektes ist es, die Wahrnehmung der Bevölkerung in den Braunkohlerevieren hinsichtlich des Strukturwandels im Zuge des Kohleausstiegs und damit verbundener Themen zu erfassen. Für die Lausitz wurden insgesamt 1.028 Menschen aus den Landkreisen Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße, Cottbus, Bautzen und Görlitz befragt. Aus den beiden letztgenannten sächsischen Landkreisen kamen 26 bzw. 22 Prozent der Befragten. Die zahlenmäßig größte Gruppe waren mit 56 Prozent die Erwerbstätigen.

Optimismus überwiegt (noch)

Sehr oder eher negativ sehen die Menschen Einflüsse durch die allgemeine Inflation (84 Prozent), den Krieg in der Ukraine (69 Prozent), die Migration (60 Prozent) sowie die Energiewende (51 Prozent). Die Hälfte der Befragten betrachtet auch den Regierungswechsel in Berlin als sehr bzw. eher negativ. Der Strukturwandel im Zuge des Kohleausstiegs wird von 41 Prozent negativ gesehen. Ebenfalls die Hälfte der Befragten gab an, dass ihre persönliche Lebenssituation gleichgeblieben ist, für ein Viertel ist sie viel besser bzw. besser geworden, während sie sich für 23 Prozent schlechter bzw. viel schlechter darstellt. Immerhin 54 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft, während dies 31 Prozent eher pessimistisch tun. Beachtlich auch: 27 Prozent geben an, dass sich in den letzten fünf Jahren die Situation in der Lausitz bzw. ihrer Region verbessert hat, 26 Prozent sehen das Gegenteil. Während 56 Prozent der Befragten die Zukunft der Lausitz optimistisch bzw. sehr optimistisch
sehen
, tun dies 37 Prozent eher oder sehr pessimistisch.

Vielfalt, Wandel, Bewahrenswertes, Natur und Industrie liegen in der Lausitz eng beieinander. Foto: Matthias Stark

Mehrheit nimmt keinerlei Aktivitäten im Strukturwandel wahr

Mit der Lebensqualität sind 74 Prozent zufrieden oder besonders zufrieden, 24 Prozent weniger oder gar nicht zufrieden. Für 71 Prozent ist die Lausitz eine attraktive Urlaubsregion, aber nur für 27 Prozent eine attraktive Wirtschaftsregion.
Für 64 Prozent gilt die Region mit ihrer sorbischen Kultur als Alleinstellungsmerkmal, 83 Prozent halten sie für einen wesentlichen Bestandteil der Lausitz.
Zu den größten Herausforderungen, welche die Menschen erkennen, gehört mit 35 Prozent die Schaffung bzw. Erhaltung von Arbeitsplätzen, die Entwicklung der Wirtschaft (26 Prozent) und die Begrenzung der Zuwanderung bzw. die Integration der Zuwanderer (18 Prozent).
Zu den drei wichtigsten persönlichen Aspekten gehört die wohnortnahe medizinische Versorgung (75 Prozent), die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (69 Prozent) sowie die wohnortnahe Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs (58 Prozent). Nur gut ein Viertel der Lausitzerinnen und Lausitzer sind zufrieden bzw. sehr zufrieden mit ihrer Entlohnung.

Ein wichtiges Thema beim Strukturwandel ist die Energiewende. Die wird von 44 Prozent befürwortet und von 42 Prozent abgelehnt. Der Kohleausstieg bis zum Jahr 2038 wird sogar von 53 Prozent abgelehnt und von nur 35 Prozent befürwortet. Drei Viertel der Befragten lehnen
das Vorziehen des Kohleausstiegs auf 2030 ab. Immerhin 69 Prozent sehen die Notwendigkeit eines tiefgreifenden Wandels in der Lausitz, aber 63 Prozent haben in den letzten 12 Monaten keinerlei Aktivitäten diesbezüglich wahrgenommen (im Vorjahr waren es 60 %), was angesichts der vielen angeschobenen Projekte, die sich zu großen Teilen schon in der Umsetzung befinden, vor allem auf die nicht ausreichende Kommunikation der Projektverantwortlichen und staatlichen Institutionen zurückzuführen sei. Dass sich der Großteil der Befragten nicht dafür interessiert, ist anhand der Heimatverbundenheit der Lausitzer nicht ablesbar, denn 88 Prozent liegt ihre Region am Herzen.

Wie nehmen Sie den Prozess des Strukturwandels wahr? Werden die Aktivitäten ausreichend und vor allem verständlich kommuniziert? Was könnte dabei verbessert werden und auf welche Medien sollten die Entscheidungsträger setzen?

Sehen Sie selbst im Wandel der Lausitz (neue) Chancen und Perspektiven für Ihre berufliche und private Zukunft?

Teilen Sie uns Ihre Meinung gerne unten als Kommentar mit.

Die kompletten Ergebnisse der Befragung sind im Internet zu finden unter: www.lausitz-monitor.de.

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