Talkrunde zur Neuen Kühnichter Heide in Hoyerswerda

Das Einzelhandels- und Zentrenkonzept für die Neue Kühnichter Heide ist umstritten. In Kooperation mit der LAUSITZWELLE haben wir einigen Projektbeteiligten brennende Fragen der Bürgerinnen und Bürger aus Hoyerswerda gestellt.

Jannis Simons

„An einem Thema kommt man in der aktuellen Hoyerswerdaer Stadtdebatte nicht vorbei – der neuen Kühnichter Heide“, so eröffnete WochenKurier-Redakteurin Maria-Louise Hartmann eine Talkrunde in Zusammenarbeit mit der LAUSITZWELLE am vergangenen Montag. Teilnehmer waren Frank Hirche, CDU-Stadtratsvorsitzender, Steffen Markgraf, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft mbH Hoyerswerda, Mario Halsdorfer, geschäftsführer Gesellschafter der „halsdorfer + ingenieure projekt gmbh“, Axel Fietzek, Vorstandsvorsitzender der LebensRäume Hoyerswerda eG und Christian Hoffmann, Stabsstellenleiter Wirtschaftsförderung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Hoyerswerda. Ziel war es, einige Fragen der Bürgerinnen und Bürger, die bei der vergangenen Stadtratssitzung zu diesem Thema offengeblieben sind, zu beantworten. Der WochenKurier berichtete zuletzt Mitte Januar über dieses Thema.

Frank Hirche betonte, dass die Initiative zu diesem Projekt von einem der zukünftigen Ankermieter gestartet wurde. „Von Anfang wurde dabei der Kontakt gesucht zwischen dem Investor, der Wohnungsgenossenschaft und –gesellschaft sowie der Stadt Hoyerswerda“, so der CDU-Vorsitzende. Im Dezember 2021 wurden die ersten Informationen über das Planungsbüro zum Investor und den Plänen des neues Wohnquartiers bekannt. „Es ging immer um eine Kombination zwischen Einzelhandel, Wohnräumen und Platz für Eigenheimbau. Dieses Konzept hat uns damals schon überzeugt“, erklärt Steffen Markgraf von der Wohnungsgesellschaft. „Wir haben von Anfang an die Chance gesehen, ein brachliegendes Quartier zu revitalisieren in einer Dimension, wie sie Hoyerswerda schon viele Jahrzehnte nicht mehr gesehen hat. So stand die Zielrichtung, ein solches Quartier zu errichten von Beginn an fest“, ordnet Axel Fietzek ein.

Frank Hirche: „Durch Wegfall der Kohle sind viele Arbeitsplätze in unserer Stadt verloren gegangen. Gerade befinden wir uns im Strukturwandel. Dazu sollen Menschen in die Stadt kommen. All diese Menschen brauchen ein Zuhause und eine passende Infrastruktur.“ „Zahlreiche bestehende Drei-Raum-Wohnungen stehen aktuell leer, da sie nicht mehr attraktiv genug für junge Familien sind. Menschen, die sich hier ansiedeln werden, ob durch die Wärmeindustrie oder bei der Bundeswehr, werden so etwas suchen“, erklärt Christian Hoffmann den Bedarf. Die Funktion Hoyerswerdas im oberzentralen Städtebund müsse damit erfüllt werden. Hoffmann versichert, dass eine Einwohnerversammlung am 21. Februar um 17 Uhr in der Lausitzhalle in Hoyerswerda den Bürgern noch einmal die Möglichkeit geben wird, Ängste und Sorgen vorzutragen, die auch aufgenommen werden. So sei der Abwicklungs- und Billigungsbeschluss vom Stadtrat bis jetzt noch nicht behandelt worden, da die Einwohnerversammlung noch abgewartet werde.

Von einer Brachfläche zum belebten Wohn- und Einkaufsquartier? Die Pläne für das WK IX in Hoyerswerda sind groß, aber auch sehr umstritten.
Foto: Lausitzwelle

„Ohne Einzelhandel kein Wohnungsbau“

„Ohne Einzelhandel wird es keinen Wohnungsbau geben“, macht Investor Mario Halsdorfer deutlich. Das Areal als Brachfläche ohne innere Erschließung und die angrenzenden maroden Straßen machen Investitionen im siebenstelligen Bereich nötig. Nur allein durch die Errichtung von Wohnbauflächen sei dieses Projekt nicht wirtschaftlich und würde deren „wirtschaftlichen Tod“ bedeuten.

Bebauungsfähige Grundstücke in Hoyerswerda seien sonst rar, so Fietzek. Selbstständige Erschließungsmaßnahmen der Grundstücke im WK 9 wären für die LebensRäume Hoyerswerda eG unrealistisch. „Sonst hätten wir Miethöhen und Grundstückpreise hier, die mit München oder Hamburg nicht vergleichbar sind“, erläutert der Vorsitzende der Wohnungsgenossenschaft.

„Wir haben keine Perspektive, wenn wir eine Stadt des Museums werden“

Wenn man sich Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre zurückerinnert, haben viele Menschen in Hoyerswerda ihre Zukunft gesucht und sind hierhergekommen. „Es gab Wohnraum, es gab Geld und es gab vor allem eine Perspektive“, blickt Fietzek weit zurück und spannt damit den Bogen zur heutigen Zeit: „Unsere Region ist aktuell erneut komplett im Umbruch und wir sind dabei, uns neu zu erfinden. Wir müssen zeigen, dass diese Stadt zukunftsfähig ist, damit sie auch für neue Investoren interessant bleibt. Wir haben keine Perspektive, wenn wir eine Stadt des Museums werden.“ (Lesen Sie auch: YADOS schafft 300 neue Arbeitsplätze in Hoyerswerda.)

Dazu komme, dass ein Bebauungsplanverfahren heutzutage ein zutiefst transparentes, öffentliches Verfahren ist. Menschen können an Stadtratssitzungen teilnehmen oder Einsichten nehmen im Hoyerswerdaer Lichthof. Das ganze Projekt wurde dementsprechend nicht außerhalb der Regularien geplant und es war schon vor der kommenden Einwohnersammlung eine entsprechende Beteiligung möglich. Welche Handlungsmöglichkeiten es speziell auf kommunaler Politikebene für Bürgerinnen und Bürger gibt, hat der WochenKurier am konkreten Beispiel von Hoyerswerda mal hier unter die Lupe genommen.  Zu den Plänen für die Neue Kühnichter Heide hatten nur um um die Dutzend Einwohnerinnen und Einwohner eine Stellungnahme abgegeben.

Über Handel hinausblicken

Speziell bei diesem Areal sieht Investor Mario Halsdorfer nicht nur Potenzial für Geschosswohnungen, sondern auch für Flächen für Einzelhaus- und Doppelhausbebauungen im Stadtgebiet Hoyerswerda, was „halsdorfer + ingenieure projekt gmbh“ gerne bedienen möchte.

Die Wohnungsgesellschaft wolle da mitziehen und ebenfalls modernen Wohnraum anbieten, denn laut Steffen Markgraf sei der Bedarf dazu einfach da. In der Altstadt werden schon mehrere neue Mehrfamilienhäuser gebaut. „Wir investieren in Hoyerswerda im Bereich Wohnungsbau, denn der Markt gibt es her“, so Markgraf. An der Bleichwiese in Hoyerswerda werden in den nächsten vier Jahren 32 neue Wohnungen entstehen. Dafür gibt es bereits um die 120 Interessensbekundungen, gab der Wohnungsgesellschafts-Geschäftsführer in der Talkrunde bekannt.

»Wir müssen zeigen, dass diese Stadt zukunftsfähig ist, damit sie auch für neue Investoren interessant bleibt«, so Axel Fietzek (2.v.r.).
Foto: Simons

Vorwurf des „billigen“ Abreißens und des teuren Bauens

Eine Behauptung wollte Herr Fitzek unbedingt wiederlegen, nämlich den Vorwurf, dass alte Häuser abgerissen werden, um wo anders billige Wohnungen zu haben und dann teuer bauen zu können. „Alte Wohnungen, die vom Markt genommen werden, erzeugen einfach keine Nachfragen mehr. Sanierungen und Abrisse seien stets Verlustgeschäfte. Auf lange Gesicht gesehen, wäre es aber teurer, diese Häuser leer stehen zu lassen. Unser Geschäftsmodell ist es, langfristig zu vermieten“, bekräftigt Fietzek. Das bedinge eben ein breiteres Wohnangebot für die Zukunft.

Wettbewerb belebt das Geschäft

„Wir sind eine der ältesten Städte in Deutschland. Wir brauchen gute Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt und nicht nur an den Rändern Hoyerswerdas“, schildert Markgraf, denn Kritik an dem ganzen Projekt gibt es vor allem auch immer wieder in Bezug auf eine mögliche Umverteilung der Kaufkraft im Stadtgebiet. Damit einher gehen Sorgen über Leerstand und Jobverlust. „Am Ende entscheiden die Käuferinnen und Käufer, wo sie einkaufen gehen“, entgegnet Fietzek in dieser Debatte und führt fort: „Niemand verbietet es, in die älteren, bestehenden Läden einkaufen zu gehen.“ Das könne den Wettbewerb aus seiner Sicht sogar beleben, denn die Neue Kühnichter Heide solle überregional ausstrahlen. „Wir gehen jeden Samstag zu unseren Briefkästen und schauen, wer das bessere Angebot hat. Würde es diesen Wettbewerb nicht geben, könnten wir das all nicht mehr machen und es hätte niemand mehr was zum Verteilen. Wir haben alle Chancen, hier etwas Vernünftiges zu gestalten.“

Hier ist die Talkrunde zur Neuen Kühnichter Heide in voller Länge zu sehen.

Info

Auf der öffentlichen Einwohnerversammlung am 21. Februar um 17 Uhr in der Lausitzhalle können sich alle Interessierten sich noch einmal genaues Bild über das neue Einzelhandels- und Zentrenkonzept verschaffen und darüber ins Gespräch kommen.

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