Strukturwandel in Kamenz: Visionen sind wichtig, Projekte sind besser!

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, dieser Ausspruch wird dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt zugeschrieben. Soweit muss man sicherlich nicht gehen, denn auch ganz konkrete Projekte gehorchen einer zumindest impliziten Strategie/Vision. Andererseits: Was nützt die beste Vision, wenn sie Utopie bleibt und sich nicht in konkreten Projekten und Vorhaben realisiert? Die Stadt Kamenz im Landkreis Bautzen ist da schon ein paar Schritte weiter und treibt bereits die Planung für drei Großprojekte voran.

Aus der Frühjahrsausgabe 2024 des STARK für die LAUSITZ-Magazins

Der Strukturwandel in der Lausitz ist gravierend und bezieht sich auf den Prozess, in dem die Region von einer stark kohleabhängigen Wirtschaft zu einer diversifizierten und nachhaltigeren Wirtschaft umgestaltet wird. Dieser Wandel ist notwendig, um den Ausstieg aus der Kohle zu bewältigen und neue Arbeitsplätze und Wirtschaftszweige zu schaffen, auch um das Lebens- und Wohnniveau in der Lausitz zu erhalten bzw. weiter zu entwickeln. Dazu gibt es verschiedene Initiativen und Programme, die darauf abzielen, den Strukturwandel in der Lausitz zu unterstützen und die Region zukunftsfähig zu machen.

Die Stadt Kamenz bleibt vom Strukturwandel in der Lausitz nicht unberührt. Auch für sie geht es um Zukunft, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Entwicklung. Neben vielen kleineren Anstrengungen und Aktivitäten sind es drei „Großprojekte“, die für die Stadt Kamenz bzw. den Raum Kamenz relevant sind:

  • Schaffung eines Kombi-Bades mit Innen- und Außenbereich
  • Umbau und Erweiterung des Lessinghauses, in dem das Lessing-Museum seit 1931 untergebracht ist
  • Erstellung eines Trinkwasserverbunds Lausitzer Revier

Alle drei Vorhaben leisten auf ihre Weise einen Beitrag zur Abfederung der Folgen des Strukturwandels in der Lausitz sowie zur Gestaltung der zukünftigen Entwicklung in dieser Region.

Kombi-Bad in Kamenz

Bis in die 80-er Jahre gab es in Kamenz neben einer Schwimmhalle auch ein innerstädtisch gelegenes Freibad, was aber 1987 aufgrund des baulichen Verfalls endgültig geschlossen wurde. Immer wieder gab es dann den Wunsch, ein neues Freibad zu errichten. Es wurden verschiedene Versuche unternommen, denen aus den unterschiedlichsten Gründen kein Erfolg beschieden war. Mit dem Strukturwandel in der Lausitz und den damit verbundenen Fördermöglichkeiten ergab sich die realistische Chance zur Schaffung eines mit Außenbereich versehenen Kombi-Bades. Dazu wurde ein Zweckverband vom Landkreis Bautzen und der Stadt Kamenz gegründet, der das Vorhaben vorantreiben und zukünftig das Kombi-Bad gemeinsam betreiben soll. Die veranschlagten Gesamtkosten betragen ca. 31,5 Millionen Euro. Das Kombi-Bad soll neben einer Halle mit sechs Schwimmbahnen und einem kombinierten Nichtschwimmer- und Freizeitbecken u.a. auch über einen kleinen Saunabereich, Angebote für Kleinkinder, ein Außenbecken sowie eine Rutsche verfügen. Im Außenbereich sollen zudem u.a. ein Volleyballfeld und ein Spielplatz entstehen.

Ziel ist es, auch damit die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Kamenz zu erhöhen und eine Verbesserung der touristischen Infrastruktur herbeizuführen. Nach Errichtung des Kombi-Bades, mal abgesehen von den wirtschaftlichen Auswirkungen bei der Errichtung des Schwimm- und Badekomplexes an sich, wird das Bad seine Wirkungen auf die Lebensqualität und die Stabilisierung des Lebensniveaus im ländlichen Raum entfalten. Das Kombi-Bad deckt zukünftig ganzjährig den Bedarf der Touristen und der Einwohner der Stadt Kamenz nach einer freizeitorientierten sportlichen Betätigung ab. Weiterhin ist die Anlage mit dem 6-Bahnen-Becken auch in Einzelfällen für Wettkämpfe geeignet. Als Eröffnung wird das Jahre 2029 gesehen.

Umbau und Erweiterung des Lessinghauses bzw. des Lessing-Museums

Durch den Umstand, dass die Stadtbibliothek Räumlichkeiten am neuen innerstädtischen Gymnasialstandort beziehen konnte, ergab sich die Möglichkeit, das Lessinghaus für eine alleinige Nutzung durch das Lessing-Museum neu zu überdenken und zu gestalten. Da das Gebäude bislang seit der Gründung 1931 von zwei verschiedenen Einrichtungen genutzt wurde und in seiner inneren Struktur darauf abgestimmt war, ist
es notwendig und möglich, umfangreiche Umbauten vorzunehmen, um das Haus nun komplett für das Museum zu erschließen und für die Besucher überzeugend einrichten zu können. Ein vorrangiges Ziel des Umbaus ist die Schaffung von Räumen für Sonderausstellungen im Obergeschoss, die die konservatorischen Bedingungen bieten, die erforderlich sind, um hochkarätige Leihgaben erhalten zu können. Damit erhält das Lessing-Museum zum ersten Mal in seiner fast 100-jährigen Geschichte Sonderausstellungsräume im eigenen Haus – ein Wunsch, der den gestiegenen Anforderungen an Museen und der veränderten Erwartungshaltung der Besucher seit der Eröffnung des Hauses entgegenkommt.

Neben der Dauerausstellung zu Lessings Leben und Werk wird eine großzügige Lounge entstehen. Hier soll es zukünftig auch weitere Angebote
für die Besucher geben, die deutlich machen werden, wie sehr das 18. Jahrhundert mit unserer heutigen Lebenswirklichkeit verbunden ist und
dass das moderne Europa in entscheidender Weise auf den Idealen der Aufklärungsepoche basiert. Darüber hinaus werden auch die Service-Bereiche für die Besucher erweitert, sodass sich die Aufenthaltsqualität insgesamt erheblich steigern wird. Die Kosten für den Umbau und die Erweiterung des Lessing-Museums belaufen sich geplant auf ca. 3,4 Millionen Euro, wobei ca. 3,1 Millionen Euro aus Förderprogrammen zum
Strukturwandel oder auch Städtebauförderprogrammen des Bundes und des Landes kommen. Hinzu kommt ein Eigenanteil der Stadt Kamenz in Höhe von ca. 300.000 Euro.

Rückwärtige Ansicht des Lessing-Museums mit historischer Kubatur (links) und modernem Erweiterungsbau (rechts). Visualisierung: Peter Kulka Architektur

Sichere Trinkwasserversorgung als Voraussetzung für einen erfolgreichen Strukturwandel

Der seit Generationen betriebene Braunkohleabbau in der Lausitz beeinflusste ab Ende des 19. Jahrhunderts auch die Trinkwasserversorgung in der Region nachhaltig. Voraussetzung für große Tagebaue ist nun einmal eine tiefe Grundwasserabsenkung. Mit der baldigen Einstellung des Braunkohleabbaus ist deshalb auch die Trinkwasserversorgung neu zu gestalten. Dazu haben sich fünf Trinkwasserversorger der Region, das sind die ewag kamenz, die Kommunale Versorgungsgesellschaft Lausitz (Weißwasser), der Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverband, die Versorgungsbetriebe Hoyerswerda GmbH sowie der Wasserverband Lausitz (Senftenberg) zu der kommunalen Arbeitsgemeinschaft „Trinkwasserverbund Lausitzer Revier“, zusammengeschlossen.

Gemeinsame Aufgabe der fünf Wasserversorger ist es, die einzelnen Trinkwasserversorgungsanlagen so umzugestalten, dass flexibel die Sicherung und Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen in allen Bereichen der Wirtschaft, des Handels und des Tourismus in der gesamten Lausitz möglich bleibt. Dafür haben die fünf Wasserversorger ihr technisches Gesamtkonzept erstellt, welches Gesamtkosten in Höhe von ca. 225 Millionen Euro ausweist. Diese Kosten werden nach der gemeinsamen Absichtserklärung des Sächsischen Staatsministeriums für Regionalentwicklung (SMR), dem Sächsischen Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (SMEKUL) und der sächsischen Trinkwasserversorger auf Grundlage der „Förderrichtlinie für Zuwendungen nach dem Investitionsgesetz Kohleregionen – RL InvKG“ mit 90 % gefördert. Die Stadt Kamenz nimmt eine wichtige Stelle in diesem Gesamtkonzept ein, da beispielsweise das Wasserwerk Kamenz-Jesau an den Hochbehälter Skaska angeschlossen und das Leitungssystem so flexibel umgestaltet wird, dass auch im Großraum Kamenz für weitere Entwicklungen und Ansiedlungen eine sichere Trinkwasserversorgung gewährleistet bleibt.

www.kamenz.de
www.landkreis-bautzen.de
www.lessingmuseum.de
www.ewagkamenz.de

Frühjahrsausgabe „STARK für die LAUSITZ“ 2024 ist erschienen

Ausgabe Frühjahr 2024

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