„Strukturwandel in einer tollen Urlaubs- und Energieregion“ – Wolfgang Roick im „STARK für die LAUSITZ“-Sommerinterview

Aus der Sommerausgabe „STARK für die LAUSITZ“ 2023 / Jannis Simons

Wolfgang Roick ist Mitglied der SPD-Fraktion im Brandenburger Landtag und dort Vorsitzender des Sonderausschusses „Strukturentwicklung Lausitz“. Wir sprachen mit dem studierten Diplom-Ingenieur für Forstwirtschaft über die Arbeit des Gremiums, über Projekte in seinem Wahlkreis und wie er die Lausitz in 10 bis 15 Jahren sieht.

Herr Roick, warum Sind sie gerne Lausitzer und in bzw. für die Lausitz politisch aktiv?

Ich bin in der Lausitz tief verwurzelt. Meine familiären Ursprünge in Großräschen reichen bis 1501 zurück. Ich bin beruflich schon weltweit unterwegs gewesen und immer wieder gerne nach Hause gekommen. Das ist einfach meine Heimat. Da unsere Region bevölkerungsmäßig nicht so stark ist, finde ich es gerade wichtig, sich für die Menschen hier mit einer starken Stimme in Potsdam einzusetzen.

Fast drei Jahre gibt es jetzt den Sonderausschuss Strukturentwicklung des Brandenburger Landtages: Auf was für eine Zeit blicken Sie zurück?

Ich blicke auf eine spannende und emotionale Zeit zurück. Die Funktion des ersten Vorsitzenden habe ich unheimlich gerne übernommen. Die Lausitz war und ist eine Industrieregion. Weiter Industrieregion zu bleiben, ist der hohe Anspruch. Wir wollten uns mit dem Ausschuss nicht in Potsdam verkriechen. Offizielle Sitzungen haben wir demnach auch in der Lausitz abgehalten, wie z.B. in der Wendische Kirche Senftenberg, im Glad House in Cottbus oder im Vereinshaus in Proschim. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die erste Sitzung in Jänschwalde, also dem besonders betroffenen Gebiet, und der dortige, sehr emotionale Empfang der LEAG-Jugendvertretungen. In diesen Sitzungen holen wir immer die lokalen Politiker und unterschiedliche regionale Vor-Ort-Akteure mit ins Boot. Ganz unterschiedliche Menschen kommen hierbei zusammen und vertreten ihre Perspektive. Das half und hilft uns bei unserer Arbeit als Ausschuss extrem.

Wie oft tagt dieses Gremium?

Wir tagen acht bis neunmal im Jahr, also alle vier bis sechs Wochen. Mehr als die Hälfte der Sitzungen finden in der Region statt.

Was wurde in der Zeit alles vom Sonderausschuss bewegt bzw. angeschoben?

Wir haben unter anderem die Kinder- und Jugendarbeit im Strukturwandel in den Fokus genommen. Ein ganz wichtiger Punkt dabei: Die Aufklärung darüber, welche Beteiligungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten die Kinder und Jugendlichen bei politischen Entscheidungen haben. Oft ist das gar nicht bekannt. Einen entsprechenden Antrag daraus haben wir ins Plenum gebracht, über den positiv abgestimmt wurde.

Welche Themen werden bei den kommenden Sitzungen eine Rolle spielen?

Die Wassersituation, das neue Bahnwerk, die Wasserstoffstrategie, die Infrastrukturanbindungen, insbesondere die Bahnanbindung der Lausitz und der Abschlussbericht unseres Sonderausschusses, der drei Monate vor Ende der aktuellen Legislaturperiode fertig sein muss, werden die bestimmenden Themen in nächster Zeit sein.

Sie sind ein sehr nahbarer Politiker, den man auch öfters mal auf Karnevalsveranstaltungen, beim Fußball und dergleichen trifft und es gibt auch Vereine, die sie finanziell unterstützen: Was macht Ihnen daran besonders Freude?

Mir ist wichtig, direkt von den Bürgern zu erfahren, was sie bewegt, wo es klemmt, wo Hilfe notwendig ist. Bei den verschiedenen Veranstaltungen komme ich so direkt mit Bürgern ins Gespräch. Außerdem nehme ich mir sehr gern die Zeit für den Besuch der Veranstaltungen, denn dies ist auch eine Wertschätzung. Fast alles passiert über das Ehrenamt, sei es der Karneval, das Fußballturnier oder die Stadtfeste. Dieses Ehrenamt möchte ich genauso unterstützen wie die Feuerwehr, das THW und viele weitere wichtige Hilfsorganisationen. Ich möchte so dazu beitragen, dass die schönen Veranstaltungen auch in Zukunft noch stattfinden. Denn auch dieses Engagement muss an neue Mitglieder der Vereine weitergegeben werden.

Wie sehen Sie selber die aktuellen Entwicklungen im Lausitzer Strukturwandel? Was macht Ihnen Mut und Hoffnung, was bereit Ihnen aktuell Skepsis?

Durch den Vorsitz im Lausitzausschuss des Landtages erlebe ich den Strukturwandel hautnah. Projekte wie der Lausitz Science Park, die Unimedizin oder auch kleinere, wie das neue Werkstatthaus am Theater neue Bühne in Senftenberg, werden vorgestellt. Und dies sind erst die Projekte der öffentlichen Hand. Demnächst kommen mit dem Just Transition Fond noch die Fördermittel für private Betriebe. Geld ist also vorhanden und es wird gut strukturiert eingesetzt. Sorgen machen mir die fehlenden Fachkräfte. Wir brauchen 15.000 Menschen, um alle Stellen der Strukturwandelprojekte zukünftig zu besetzen. Gut ausgebildetes Personal geht natürlich dahin, wo es sehr gut bezahlt wird. Kleinere Firmen oder Kommunen haben dann das Nachsehen. Deswegen wird mit einer Imagekampagne „Krasse Lausitz“ darauf aufmerksam gemacht. Wir selbst sollten ebenfalls viel und gut über unsere Heimat, die Lausitz, sprechen! Auch die Botschaft in den Schulen sollte lauten: ‚Hier habt ihr später alle eine berufliche Perspektive.‘

Wie nehmen Sie die bürgerliche Stimmung im Strukturwandel aktuell wahr?

Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Menschen noch nicht ausreichend genug informiert sind, wie gut strukturiert es läuft. Wir als Koalition haben deshalb in das Plenum im Juni einen Antrag eingebracht, um noch intensiver in die Öffentlichkeit zu gehen. Über die bei der Wirtschaftsregion existierenden Werkstätten und über den Beirat können sich schon jetzt viele Menschen aus der Lausitz einbringen. Darüber hinaus sollten die am Strukturwandel Beteiligten noch häufiger über ihre Arbeit informieren.

Wie konkret setzen Sie sich für Ihren Wahlkreis 39 mit dem Amt Altdöbern und den Städten Drebkau, Großräschen und Senftenberg im Hinblick auf Strukturwandelprojekte ein?

In vielen Gesprächen mit den Verantwortlichen konnten auch in meinem Wahlkreis Projekte organisiert werden. Das Zechenhaus in Brieske, die Wärmeüberleitung von Großräschen nach Senftenberg oder der Masterplan für den Flugplatz von Welzow, der zu etwa 80 Prozent in meinem Wahlkreis liegt, sind da zu nennen. Ein neues Gewerbegebiet zwischen Neupetershain und Drebkau und auch der Umbau des Bahnhofes in Neupetershain sind noch im Gespräch und werden durch mich ebenfalls unterstützt. Kommunen mit einer guten Ausstattung von Kämmerei und Bauamt können diese Projekte gut bearbeiten. Kleinere Kommunen brauchen Unterstützung, aber die ist auf dem Weg – auch dazu dient ein Antrag der Koalitionsfraktionen im Juni-Plenum. Denn wir wollen ja, dass die Projektideen von der Kommune kommen und nicht von außen initiiert werden.

Wo sehen die Lausitz in 10 bis 15 Jahren?

Ich glaube fest, dass die Lausitz auch in fünf oder zehn Jahren ein Energiezentrum sein wird, dann aus Wind- und Sonnenenergie. Die LEAG und viele andere sind da dran. Wir können hier Strukturwandel! Zusätzlich werden in der Lausitz Lieferketten für die Elektromobilität aufgebaut (z.B. in Guben und Schwarzheide). Mit dem Universitätsklinikum in Cottbus werden wir zunehmend zur Gesundheitsregion. Und wenn alle Seen mal fertig sind, haben wir auch touristisch noch mehr als jetzt zu bieten. Wer dann hier lebt, lebt in einer tollen Urlaubs- und Energieregion!

Im kommenden Jahr sind wieder Landtagswahlen in Brandenburg. Werden Sie wieder antreten?

Themen wie der Strukturwandel und oder die Wassersituation in der Lausitz sind noch nicht beendet und deswegen werde ich auch 2024 wieder antreten und mich um ein Landtagsmandat bemühen. Mir macht die politische Arbeit im Landtag sehr viel Freude und ich bin mit Herzblut dabei. Ich finde, dass der Lausitzausschuss in einem neuen Landesparlament wieder eingerichtet werden sollte.

Herr Roick, vielen Dank für das Gespräch!

Weitere spannende Beiträge über Macher, Unternehmer, deutschlandweit einzigartige Projekte Made in Lausitz usw. lesen Sie in der Sommerausgabe 2023 des »STARK für die LAUSITZ«-Magazins des WochenKurier. Das Magazin finden Sie kostenfrei in vielen Auslagenstellen in der Ober- und Niederlausitz sowie als E-Paper hier.

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