Stadt Bautzen – Wirtschaftsmotor in der Lausitz mit Innovation von Dresden bis Görlitz

Mit über 1.200 Unternehmen und 26.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern ist Bautzen zweifellos ein wichtiger Wirtschaftsmotor in der Lausitz. Die 38.000 Einwohner zählende Stadt an der Spree wirbt mit ihrer tausendjährigen Geschichte und den über Stadtgrenzen hinaus bekannten Größen. Dabei sind nicht nur der Senf, die Sorben und die Schienenfahrzeuge Bautzener Markenzeichen. Um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben und die besondere Lage an der historischen Via Regia als alte Handelsroute zu stärken, geht die Stadtverwaltung neue Wege.

Aus der Frühjahrsausgabe des STARK für die LAUSITZ-Magazins 2025

So soll nach Berlin-Brandenburger Vorbild ein Innovationskorridor Dresden-Bautzen-Görlitz entstehen. Im interkommunalen Ansatz soll er dabei die Flächenpotenziale der Gemeinden mit der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung der Region verbinden. „Wir wollen durch die Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft unsere Stadt wachsen lassen. Die Grundlage dafür ist ein harmonisches Miteinander mit unseren Nachbarn“, so Heiko Nowak, Beigeordneter für Stadtentwicklung und Bauwesen in Bautzen. Der Bautzener Oberbürgermeister Karsten Vogt und sein Beigeordneter führen derzeit viele Gespräche, um für dieses Projekt auf allen Ebenen zu werben.

Von der Hochschulstadt zum Zentrum für Wissenschaft

Mit dem Bauforschungszentrum „Living Art of Building“ und dem Sorbischen Wissensforum stehen zwei perspektivische Projekte auf der Agenda, die Bautzen künftig als Wissenschaftsstandort im Innovationskorridor etablieren sollen. Bereits jetzt ist mit der Dualen Hochschule am Standort Bautzen ein wichtiger Meilenstein gesetzt. Doch der Blick wird auch immer in die Region geworfen. „Das Deutsche Zentrum für Astrophysik, Bestrebungen des Net Zero Valleys oder der neu eingerichtete Studiengang für Bauingenieurswesen an der Hochschule Zittau/Görlitz zahlen auf diese Ausrichtungen in der Lausitz ein“, so Nowak.

Wichtige Grundlage: Moderne Infrastruktur

Bautzen engagiert sich in Ostsachsen maßgeblich für zeitgemäße Verkehrswege. Auf Initiative der Stadt wurde Ende des vergangenen Jahres eine erste Regionalkonferenz gemeinsam mit den Städten Hoyerswerda und Görlitz sowie den beiden Landkreisen Bautzen und Görlitz durchgeführt. Darin übermittelten 180 Vertreter aus Politik und Wirtschaft die klare Botschaft in die Landeshauptstadt Dresden: Die Region braucht die Elektrifizierung der Bahnstrecke von Dresden über Bautzen bis nach Görlitz. Entlang der Bahnstrecke Dresden-Bautzen-Görlitz befindet sich jeder zweite Arbeitsplatz der Region und hier wird die Hälfte der Wirtschaftsleistung beider Landkreise erzeugt. Allein in der Stadt Bautzen arbeiten 18.000 Einpendler, die sich täglich in die Stadt begeben. Sie benötigen moderne und zuverlässige Verkehrswege.

Bautzens Oberbürgermeister Vogt über Chancen und Potenziale

Herr Vogt, welche Potenziale ergeben sich für Bautzen mit einem Innovationskorridor?

Die Zahlen der demografischen Entwicklung geben uns, wie auch allen anderen Kommunen, Anlass zur Sorge. Folgt man den Hochrechnungen, verlieren wir als Stadt bis 2034 etwa 5.000 Bewohner und im Landkreis Bautzen in gleicher Zeit jeden dritten Arbeitnehmer. Dieser Prognose müssen wir durch eine vorausschauende Politik entgegenwirken. Unsere gesamte Region muss junge Menschen dauerhaft ansprechen, damit sie ihren Lebensmittelpunkt hier – und natürlich sehr gern auch in Bautzen – suchen und finden. Dafür benötigen wir sowohl attraktive Arbeitsplätze als auch ein ansprechendes Lebensumfeld in allen relevanten Bereichen. Der Innovationskorridor setzt genau an diesem Punkt an, um die Attraktivität und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region zu erhalten und maßgeblich zu befördern.

In Zeiten knapper kommunaler Kassen. Wie wappnet sich Bautzen für die Zukunft?

Derzeit führen wir allerorten die Diskussion über die verschlechterte finanzielle Ausstattung von Kommunen, Bundesländern und des Bundes. Manchmal kommt es einem so vor, als ob wir über dieser Diskussion jedoch vergessen, dass wir dennoch die Entwicklung unserer Gemeinden und unseres Landes – auch unter schwierigen Bedingungen – zu gestalten haben. Geld ist für diese Entwicklung unabdingbar. Folglich müssen wir unsere freiwilligen Ausgaben auf ihre Zukunftsträchtigkeit prüfen. Darüber hinaus gilt es, weitere Einsparpotenziale in der Verwaltung zu finden, um Investitionen wieder zu ermöglichen. Am wichtigsten wird jedoch sein, dass wir jeglichen Fördermitteleinsatz, viel stärker als bisher, auf den Ertrag in der Zukunft prüfen. Wenn wir eine gestiegene Neuverschuldung einkalkulieren, muss diese sich in den nächsten Jahren amortisieren.

Welche nächsten Schritte sind aus Bautzen in diesem Jahr geplant?

Wir planen die zweite Auflage der gemeinsamen Regionalkonferenz für Ende 2025. Zu diesem Zeitpunkt wollen wir die Konzeption des Innovationskorridors vorstellen, die wir derzeit mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik erarbeiten. Die Entscheidungen des Strukturwandels, die wissenschaftliche Entwicklung in der Region und damit verbunden auch die wirtschaftlichen Impulse müssen von uns genutzt und zielgerichtet zusammengeführt werden. Genau das soll der Innovationskorridor leisten.

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