Stabile Ausbildungs- und Arbeitsmarktbilanz in der Niederlausitz
Zum regulären Ausbildungsbeginn im August/September starteten wieder zahlreiche junge Bewerberinnen und Bewerber in das neue Ausbildungsjahr. Die Agentur für Arbeit, die Handwerkskammer und die Industrie- und Handelskammer Cottbus bilanzierten die aktuelle Lage auf dem regionalen Arbeits- und Ausbildungsmarkt in der Niederlausitz.
pm / jas
Von Oktober 2022 bis Ende September 2023 meldeten sich insgesamt 2.944 Jugendliche bei der Agentur für Arbeit Cottbus, um bei ihrer Ausbildungssuche Unterstützung zu erhalten. Davon waren 351 Bewerber zum Stichtag, den 30. September, noch ohne eine Ausbildung. Arbeitgeber meldeten der Agentur für Arbeit Cottbus 3.932 betriebliche Ausbildungsstellen, 252 weniger als 2022. Unbesetzt blieben 599 Ausbildungsstellen. In einer gemeinsamen Pressekonferenz der Agentur für Arbeit Cottbus, der Handwerkskammer (HWK) sowie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus erklärten drei Vertreter einige Hintergründe und sprachen insgesamt über die aktuelle Arbeitsmarktlage in Südbrandenburg.
»Ein junger Mensch, der eine Ausbildung will, wird eine Stelle finden«
Heinz-Wilhelm Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Cottbus: »Wir freuen uns, dass wir auch in diesem Jahr vielen Jugendlichen, die sich bei uns gemeldet haben, dabei helfen konnten, ihren beruflichen Weg zu finden.« Gleichzeitig appellierte er an alle, die noch auf der Suche sind: »Ein junger Mensch, der eine Ausbildung will, wird eine Stelle finden.«
Auf dem Südbrandenburger Arbeitsmarkt gibt es eine etwas höhere Arbeitslosigkeit als vor einem Jahr. »Das liegt aber im Wesentlichen an Zuzug aus Ländern wie der Ukraine, wo es zu Beginn natürlich noch Sprachbarrieren gibt«, so Müller. Die Zahl der Arbeitslosigkeit in Südbrandenburg liegt mit 5,8 % im Bundesdurchschnitt. Im Oktober standen 6.737 freie Arbeitsstellen im Agenturbezirk zur Verfügung. Gesucht werden u. a. Helferinnen und Helfer Objekt-, Werte- und Personenschutz, Fachkräfte im Verkauf, Büro- und Sekretariatsfachkräfte, Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer, Fachkräfte der Bauelektrik, Köchinnen und Köche, Fachkräfte Kraftfahrzeugtechnik, Helferinnen und Helfer in der Reinigung, Helferinnen und Helfer in der Altenpflege, Helferinnen und Helfer Gastronomieservice sowie Fachkräfte der Gesundheits- und Krankenpflege.

Strukturwandel bietet Chancen und schnürt Ängste zugleich
Durch große staatliche Fördersummen sind im Rahmen des Strukturwandels in der Lausitz schon viele neue Arbeits- und Ausbildungsstellen entstanden und es werden noch einige weitere in den nächsten Jahren entstehen. Was dabei eine gewisse Problematik ist: Große Unternehmen zahlen häufig besser als kleinere. »Für den ein oder anderen Betrieb ist dies schon existenzgefährdend«, erklärte der Chef der Arbeitsagentur und fügte gleichzeitig an: »Die Unternehmen, die Ausbildungsstellen melden, die gute Angebote machen, eine vernünftige Ausbildungsvergütung zahlen, die sich ein bisschen wie Papa oder Mama im Betrieb verstehen, ein gewisses Verständnis für die Generation Z haben und sich auch vielleicht etwas darum kümmern, dass Beruf und Freizeit zueinander passen, die haben sehr gute Chancen, ihre Ausbildungsstellen besetzt zu bekommen.«
Berufe im Handwerk wieder leicht attraktiver
Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der HWK Cottbus zum Ausbildungsmarkt: »699 Jugendliche wählten das Handwerk für ihren Berufsstart. Wir verzeichnen damit einen Zuwachs von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es ist also wieder leicht attraktiver im Handwerk zu lernen.« Die Handwerksbetriebe in Südbrandenburg bieten mit Ausbildungen in über 70 unterschiedlichen Berufen eine große Vielfalt. Der Beruf des Anlagenmechanikers für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik profitierte von der zunehmenden Energie- und Mobilitätswende am meisten, sodass dieser sich in der Beliebtheitsskala der Handwerksberufe hinter dem Kraftfahrzeugmechatroniker (127) einreihte.
»474 Lehrstellen stehen noch zur Verfügung. Rund 17 Prozent mehr, als im Vorjahr«, berichtet Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus. »Auch weiterhin haben Schulabgänger die Möglichkeit, eine Ausbildung zu beginnen.« Einen Überblick bietet die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Cottbus unter: www.hwk-cottbus.de/lehrstellen
Finanzieller Anreiz nicht immer an erster Stelle
Manuela Glühmann, Geschäftsbereichsleiterin Aus- und Weiterbildung/ Fachkräftesicherung der IHK Cottbus: »Ende Oktober verzeichnete die IHK Cottbus über 200 betriebliche Ausbildungsverträge mehr gegenüber dem Vorjahreszeitraum, im gewerblich-technischen Bereich ist das ein Plus von 11 Prozent, im kaufmännischen Bereich von 13 Prozent.« Den größten Anstieg von 19 Prozent gab es dabei im Bereich Cottbus. Demgegenüber waren zu Beginn des Ausbildungsjahres noch ca. 300 Ausbildungsstellen in IHK-Betrieben der Region unbesetzt.
Berufspraktika halfen am meisten bei der Ausbildungswahl und nicht immer sei der finanzielle Anreiz im alleinigen Vordergrund bei der Berufswahl, so Glühmann. Flache Hierarchien, moderne IT-Technik, Veränderungen bei Rekrutierungs-/Einstellungsprozess, Prüfungsvorbereitung, Mentoring, Auslandspraktikum oder Zusatzqualifikationen seien da nur als Beispiele genannt. Eine Übersicht über IHK-Ausbildungsbetriebe, freie Lehrstellen, Praktikumsplätze und Angebote zur Berufsorientierung bietet die Webseite: www.mach-es-in-brandenburg.de
Es gibt noch unbesetzte Ausbildungsplätze in vielen Berufen. Der Einstieg in die Ausbildung ist oft bis Jahresende möglich. Informieren können sich Interessenten u.a. auf der interaktiven Berufsorientierungs- und Ausbildungsbörse (iBoB) am 18. November in der Stadthalle Cottbus. Unter der Rufnummer 0355 619 10 10 oder per Mail Cottbus-Berufsberatung@arbeitsagentur.de helfen bei der Stellensuche und der Bewerbung auch gezielt direkt Berufsberater.
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