Spielerisch den Strukturwandel verstehen mit „Torfitz“

Kürzlich rausgekommen ist „Torfitz – Das Planspiel zum Strukturwandel“, mit dem Kinder und Jugendliche für den Transformationsprozess in der Lausitz sensibilisiert und begeistert werden sollen. Doch wie kann so ein scheinbar trockenes Thema, spielerisch erlebbar gemacht werden?

pm / Jannis Simons

„Sorgen über Arbeitsplätze in der Zukunft sowie gesellschaftliche Themen, wie der Klimawandel vor der eigenen Haustür – das beschäftigt Kinder und Jugendliche heutzutage immer mehr“, meint Victoria Luh, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) Potsdam. „Torfitz – Das Planspiel zum Strukturwandel“ soll nun einen Rahmen schaffen, in dem sich die Spielenden auf kreative und kooperative Weise mit Veränderungen und explizit mit dem Wandel der Lausitz auseinandersetzen.

Die Spieler übernehmen dabei unterschiedliche Rollen (z.B. als Bürgermeister, Bewohner, Jugendliche, Unternehmer, Naturschützer) in verschiedenen Kommunen, die sich mit spezifischen Herausforderungen konfrontiert sehen. Fragen wie: Wie kann der Jugendclub leichter erreicht werden? Wie können sich neue Bewohner schnell willkommen fühlen? Soll sich ein Unternehmen mit einem kontroversen Geschäftsmodell ansiedeln dürfen? stehen dabei im Fokus. Im gemeinsamen Gespräch sollen dann Abwägungen getroffen und konkrete Projektideen erarbeitet werden. Die Ideen werden anschließend einem Gremium präsentiert, das anhand bestimmter Kriterien die besten Projekte auswählt. Dabei vollzieht der Großteil der Spieler einen Perspektivwechsel. Nachdem sie zunächst verschiedene Rollen in den fiktiven Kommunen hatten, sind sie später Teil dieses Gremiums und müssen entscheiden, welche Projekte gefördert werden sollen.

Die Initiative „Jugendwandeltstrukturen“ testete das Spiel an einem schönen Sonntagnachmittag im Schillerpark Cottbus. Foto: Simons

Echte Gegebenheiten als Grundlage

Der Werkstattprozess der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH, mit dem bestimmte Strukturwandelprojekte in der brandenburgischen Lausitz erarbeitet und qualifiziert werden, bietet die Grundlage dieses Spiels. „Der Name ‚Torfitz´ ist eine von mehreren fiktiven Kommunen im Spiel, die es so auch in der Lausitz geben könnte“, verdeutlich Victoria Luh vom IASS Potsdam den realitätsnahen Bezug zur Wirklichkeit.

Auch die Initiative „Jugendwandeltstrukturen“ (JWS) aus Cottbus schrieb in ihrem Instagram-Post zum Spiel: „Wir haben immer wieder gerätselt, welches echte Dorf oder welche echte Stadt hinter Torfitz, Naßtal, Heide, Krammingen und Spornberg stecken könnten.“ Das Planspiel kann und soll in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit eingesetzt werden. Es richtet sich an Schüler ab der Klasse 9, Auszubildende und Studierende. „Der Strukturwandel werde aktuell viel zu wenig in Schulen oder in Ausbildungsbetrieben behandelt, während zu Hause in Familien oft Ängste zu diesem Thema geschürt werden“, bedauert Victoria Luh.

„Der Weg ist das Ziel im Spiel“

Der Austausch mit anderen, das konstruktive Streiten um die besten Ideen und das Entwickeln von Lösungsansätzen stärke nicht nur die Kompetenzen der Spielenden im Sozialen, in Bezug auf Demokratie und Nachhaltigkeit, sondern vermittle zugleich das Gefühl, dass Veränderungen auch Chancen sind, Dinge besser zu machen, sind sich die Entwickler des Spiels einig.

Dabei kooperierte das IASS Potsdam mit dem Spieleentwickler „Playing History“. Der Geschäftsführer von Playing History, Dr. Martin Thiele-Schwez, sagte beim digitalen Vorstellungsgespräch des neuen Produkts: „Der Weg ist das Ziel im Spiel. Es zählt nicht unbedingt das Ergebnis.“ So stehe die Förderung der Problemlesungskompetenz im Vordergrund.

„Torfitz“ ist für sechs bis 30 Spieler konzipiert und kann in drei Varianten gespielt werden. Diese sind unterschiedlich komplex und benötigen ungefähr 45, 60 oder 90 Minuten Zeit. Torfitz wurde bereits erfolgreich an Schulen und Hochschulen getestet. Dass das Spiel gut bei Schülern ankomme, berichtete der sächsische Lehrer und Testspieler Robert Jünger. Er testete Torfitz mit Schülern einer 12.  Berufsschulklasse. „Es holt die Schüler wirklich gut ab“, so der Lehrer.

Kostenloses Angebot

Seit Juli kann Torfitz kostenlos von Lehrkräften und anderen Bildungsanbietenden bei der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung bestellt werden. Spiel und Begleitheft seien so aufbereitet, dass sie ohne Vorkenntnisse und mit minimalem Vorbereitungsaufwand eingesetzt werden können.

Bei Interesse an dem Spiel oder Fragen, stehen Ihnen die Mitglieder der Forschungsgruppe Regionale Nachhaltigkeitstransformationen gern Rede und Antwort.

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