Nächste Bundesbehörde lässt sich in der Lausitz nieder
Kompetenzzentrum Regionalentwicklung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung in Cottbus eröffnet.
pm / jas
Das Kompetenzzentrum Regionalentwicklung (KRE) des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat in der vergangenen Woche in Cottbus offiziell seine Tätigkeit aufgenommen. Bundesbauministerin Klara Geywitz eröffnete den neuen Standort bei einer Festveranstaltung im Beisein von Vertreterinnen und Vertretern des Bundes, der vom Kohleausstieg betroffenen Länder und Regionen, der Stadt Cottbus sowie der Wissenschaft.
Ziel der neuen Einrichtung ist es, den Strukturwandel im Lausitzer, im Mitteldeutschen und im Rheinischen Revier durch ihre wissenschaftliche Expertise zu begleiten und Städte und Gemeinden bei der Entwicklung von Zukunftsperspektiven zu unterstützen. Bis Ende 2023 werden 55 Stellen beim BBSR entstehen. Die künftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus den Fachgebieten der Stadt- und Regionalplanung, Geografie, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften und Politikwissenschaft. Damit werden in der Region hoch attraktive Arbeitsplätze mit Zukunftsperspektive im Bundesdienst geschaffen. Die neuen Räumlichkeiten in der Thiemstraße 136, ganz in in der Nähe des Cottbuser Hauptbahnhofes, sollen offen für alle sein, denn die Forschung zum Strukturwandel brauche viele verschiedene Perspektiven, so die Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung.
Die Expertinnen und Experten des KRE forschen unter anderem zu Fragen, wie der Strukturwandel unterstützt und gesellschaftlich verträglich gestaltet werden kann, wie neue Partnerschaften gebildet werden können, um die Chancen der Energiewende und der Digitalisierung für eine gelungene Transformation zu nutzen. Die Forschungsergebnisse werden sich auch auf andere Regionen im Strukturwandel in Deutschland übertragen lassen, sodass die gewonnenen Erkenntnisse auch der wissenschaftlichen Politikberatung der Bundesregierung dienen werden.

Foto: Simons
Klara Geywitz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: „Wir bringen das Know-how unserer bundesweiten Ressortforschung in die Reviere. Das BBSR übernimmt hier wichtige Schnittstellen- und Vermittlungsfunktionen, die vom Bund über die Regionen bis zu den Kommunen reichen. Unsere Forschung soll zeigen: Wie geht es den Regionen? Wie geht es den Menschen dort? Was brauchen sie, um Arbeit und gute Lebensbedingungen vorzufinden und vor allem auch selbst gestalten zu können? Über all das mehr zu wissen und die richtigen Akteure dazu zusammen zu bringen, das wird unter anderem die Aufgabe unseres neu entstehenden Kompetenzzentrum Regionalentwicklung sein.“ Die Bundesministerin machte in ihrer Rede auch deutlich: „Eine Schulsanierung in einer Kommune ist kein Strukturwandelprojekt, dass die Lausitz auf Jahrzehnte weiterentwickeln wird.“
So wird die Vergabe von Strukturmitteln vor allem in der sächsischen Lausitz heftig kritisiert. Solche Diskussionsthemen aufgreifen und die verschiedenen Akteure (wieder) zusammenzubringen, wird eine der entscheidenden Hauptaufgaben des neuen Bundesinstituts werden. Der Transformationsprozess in der Lausitz könne laut Geywitz ein deutscher Exportschlager in der ganzen Welt werden, da noch viele Regionen vor den gleichen Herausforderungen, wie innerstädtische Entwicklungen, Klimawandel und Energiewende, stehen.
Dr. Markus Eltges, Leiter des BBSR: „Das BBSR kommt neu nach Cottbus, unterstützt aber bereits umfänglich die Braunkohlereviere in Deutschland. Wir fördern die Reviere gemeinsam mit dem Bundesbauministerium etwa in Programmen zur Stärkung der Innenstädte und Zentren, zur Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel oder zu Smart Cities und Smart Regions. Auf dieser Basis wollen wir gemeinsam mit den regionalen Akteuren diese Projekte weiterentwickeln. “
Holger Kelch, Oberbürgermeister der Stadt Cottbus, sagte auf der Auftaktveranstaltung: Wohnen und Forschen auf und am Wasser (womit er vor allem den künftigen Cottbuser Ostsee meint) sei das Ziel. „Diese Eröffnung ist ein weiterer wichtiger Schritt dafür“, so Kelch. Auch die Präsidentin der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg, Prof. Gesine Grande, war bei der Eröffnungsveranstaltung zugegen und blickte wie immer optimistisch in die Zukunft: „Wir wollen der dynamischste Wissenschaftsstandort in Deutschland werden und daher ist es sehr förderlich, dass das BBSR jetzt hier in Cottbus vertreten ist.“ So wird sich das BBSR auch im Lausitz Science Park engagieren, der unter der Federführung der BTU Cottbus-Senftenberg stehen wird. Es gehe nur zusammen im Strukturwandel in der Lausitz. „So werden wir zusammen Erstaunliches erreichen“, ist Prof. Grande fest überzeugt.
Eine Vernetzung mit den Akteuren der Wissenschaftslandschaft in den Revieren ist für das BBSR genauso selbstverständlich wie eine Verzahnung mit allen Akteuren, die den Transformationsprozess aktiv gestalten – in Verwaltungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Bundesministerin Klara Geywitz sagte zum Abschluss ihrer Rede: „Sie haben hier eine Start-Up-Zeit in den nächsten Jahren. Genießen sie das und bleiben sie optimistisch für die Lausitz.“
Info:
Der Aufbau des Kompetenzzentrums beruht auf dem Strukturstärkungsgesetz des Bundes. Der Bund hat inzwischen mehr als 2.700 neue Arbeitsplätze in Behörden und Einrichtungen des Bundes in den Kohleregionen besetzt und damit mehr als die Hälfte der als strukturpolitisches Ziel anvisierten 5.000 Arbeitsplätze bis 2028 erreicht. Das zeigt eine Analyse des Kompetenzzentrums Regionalentwicklung, die auf der Website des BBSR unter www.bbsr.bund.de abrufbar ist.
Das BBSR mit seinen derzeit rund 250 Stellen ist als Ressortforschungseinrichtung dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) unterstellt. Es unterstützt das BMWSB durch wissenschaftliche Politikberatung bei Aufgaben des Wohnungs-, Immobilien- und Bauwesens sowie der Stadt- und Raumentwicklung. Seit 2009 werden zudem Förder- und Investitionsprogramme durch das BBSR fachlich vorbereitet, gemeinsam mit den Kommunen umgesetzt und verwaltet. Das BBSR hat Standorte in Bonn (Hauptsitz), Berlin und nun auch in Cottbus.