Millionen-Förderung für Verkehrsgesellschaft und Lausitzer Seenland Klinikum in Hoyerswerda

Einen wahren Geldregen gab es am vergangenen Montag in Hoyerswerda für zwei zukunftsorientierte Strukturwandelprojekte. Rund elf Millionen Euro hatte Staatssekretärin Barbara Meyer im Gepäck. Darüber freuen konnte sich die Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda (VGH) und das Lausitzer Seenland Klinikum.

Jannis Simons

Die VGH erhielt rund fünf Millionen Euro für die Beschaffung von acht Elektrobussen. Damit kann das Unternehmen den öffentlichen Personennahverkehr ausbauen und verbessern. „Diese Investition wird zusammen mit der notwendigen Ladeinfrastruktur für die E-Busse und der Netzanbindung des Betriebshofes den Stadtverkehr von Hoyerswerda auf eine neue Stufe heben“, betonte Staatssekretärin Barbara Meyer bei der Übergabe. Die neue Elektrobusflotte werde auch Fahrgästen mit Mobilitätseinschränkungen mehr Komfort bieten. Dazu Fußboden in Holzoptik, denn die Fahrgäste sollen sich „wie zu Hause fühlen“. Dieses Strukturwandelvorhaben trage damit entscheidend zur Verbesserung der Lebensqualität in und um Hoyerswerda bei, so die Staatssekretärin. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 58 Mitarbeiter, davon sind ca. 34 Fahrer, und besitzt einen Fuhrpark mit 21 Bussen. Auch vier Auszubildende hat das Unternehmen derzeit unter Vertrag.

Seit 2021 liefen die Tests mit E-Bussen, die sich für die 32.000 Einwohner-Stadt als die beste Variante erwiesen, setzt Cottbusverkehr in Südbrandenburg doch zukünftig eher auf Wasserstoff-Busse. Anfang 2025 sollen die ersten Busse da sein. Jetzt kann die VGH erst einmal mit der europäischen Ausschreibung beginnen, sodass die Marke der zukünftigen E-Busse noch nicht feststeht. Mit ihnen sollen neben den Industriegebieten in Hoyerswerda, auch die Tourismusziele ab dem Frühjahr 2025 besser angebunden werden, was sowohl Besuchern als auch Bewohnern der Stadt zum Vorteil kommt. „Unsere Busse sind 20 Stunden am Tag unterwegs und vernetzten u.a. mit dem Lausitzbad, der Lausitzhalle, dem Klinikum weitere wichtige Strukturwandel-Projekte“, so Stefan Löwe, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda mbH, der ergänzt: „Dabei wollen wir in den neuen Bussen mithilfe von Bildschirmen über die aktuellen Projekte informieren: ‚Achtung, hier passiert was!‘ und somit Hintergründe zum Wirken dieser Projekte für die Region verständlich erläutern.

Die Freude bei VGH-Geschäftsführer Stefan Löwe war groß, als Staatssekretärin Barbara Meyer den Förderbescheid überreichte. Foto: Simons

Grüner Strom von der VBH

Die Akkus der E-Busse sollen künftig auf dem eigenen Betriebshof geladen werden. Dieser bietet als ehemaliges Globus- und Industriegelände gute Voraussetzungen, sodass zunächst einmal keine zusätzlichen großen Leitungen usw. errichtet werden müssen. Den grünen Strom soll die Schwestergesellschaft Versorgungsbetriebe Hoyerswerda GmbH (VBH) liefern. Der älteste Bus der VGH ist 22 Jahre alt. Eine ähnliche Lebenserwartung erwarte die Verkehrsgesellschaft auch von den E-Bussen.

Staatssekretärin Meyer sprach indes von einem „klug angelegten Projekt über drei Phasen“. Das erste Teilvorhaben: Die Beschaffung der acht E-Busse könne nun starten. Im zweiten Schritt sollen dann sichtbare Baumaßnahmen zur Errichtung der Ladestellen und der nötigen Infrastruktur folgen, ehe im dritten Schritt Ampelanlagen digitalisiert werden. So werde der „Stadtverkehr in eine zukunftszugewandte Richtung gelenkt“, ist sich Meyer sicher.

OP-Roboter für verbesserte Patientenversorgung und als Zugpferd für neue Ärzte

Den zweiten Fördermittelbescheid übergab die Staatssekretärin an jenem Montag nur eine Stunde später dem Lausitzer Seenland Klinikum in Hoyerswerda. Das Klinikum erhält eine Förderung von rund sechseinhalb Millionen Euro. Damit wird der OP-Bereich in Teilen umgebaut, komplett neu strukturiert und mit neuem medizinischen Geräten, einer High-Tech-Angiographieanlage (Hybrid OP) und einem OP-Roboter, sowie aller angebundenen vor- und nachgelagerter Medizintechnik und Ausstattung versehen. Die innovative Medizintechnik wird minimal-invasive Eingriffe ermöglichen und damit die Qualität der Patientenversorgung steigern. Besonders der OP-Roboter zog die Aufmerksamkeit aller anwesenden Journalisten und Gäste an diesem Tag auf sich. Dabei operiert so ein Roboter nicht von selbst, denn er wird durch Menschenhände gesteuert. Mit ihm könne ruhiger und präziser und gleichzeitig schneller und sauberer operiert werden, denn das System dämpft Zitterbewegungen und andere ruckartige Bewegungen. Dadurch kommt es zu weniger Blutungen, es garantiert einen optimalen Schmerzmittelverbrauch usw., was wiederum zu weniger Schmerzen und geringerer Narbenbildung führt. Ein solcher Roboter kann z.B. bei Darm- und Magen-OPs, Entfernungen von Nierentumoren oder Operationen am Zwerchfell zum Einsatz kommen.

Dass diese neue Technologie Vertrauen und Akzeptanz bei immer mehr Patienten und bei den behandelnden Ärzten findet, scheint nur eine Frage der Zeit. Chirurgie-Chefarzt Dr. Jürgen Müller berichtete, dass auch er dieser neuen Technologie anfangs skeptisch gegenüberstand. Bei einem Seminar in Jena demonstrierten Gastoperateure aus mehreren Ländern, ihm diese „völlig andere Art zu operieren“, die Dr. Müller hinterher nur noch als „genial“ bezeichnete. „Damit werden Eingriffe möglich, die ein Arzt rein technisch gar nicht umsetzen kann.“ Doch noch können noch nicht alle Patienten mithilfe eines Roboters aufgrund Vor-OPs oder Verwachsungen operiert werden. Am meisten werden die Urologen, die rund 50 bis 70 Eingriffe pro Jahr im Seenland Klinikum haben, davon profitieren.

Dr. Nasreldin Mohammed (l.) und Chirurgie-Chefarzt Dr. Jürgen Müller sind von den neuen Möglichkeiten, die ein OP-Roboter bietet, vollends überzeugt. Foto: Simons

Entscheidungskriterium bei Bewerbern

Die Investition wird aber auch die Attraktivität des Krankenhauses für medizinische Fachkräfte deutlich verbessern. Denn sie sichert rund 60 qualifizierte Arbeits- und acht Ausbildungsplätze und schafft darüber hinaus auch neue. »Das ist ein Riesengewinn für die Menschen im Raum Hoyerswerda, das Klinikum selbst und die gesamte Gesundheitsregion Lausitz. Die Investition stärkt den Wirtschafts- und Lebensstandort deutlich und ich freue mich, dass wir mit Strukturwandelgeldern hier unterstützen können«, so die Staatssekretärin. Die Verbesserung der öffentlichen Fürsorge sei vor allem auch mit Blick auf die demografische Entwicklung in der Region ein bedeutender Faktor.

Auch die Geschäftsführerin des Klinikums, Juliane Kirfe, zeigte sich sehr erfreut und erleichtert: „Nach über zwei Jahren Vorbereitung sind wir nun sehr froh, den Fördermittelbescheid in den Händen zu halten. Mit den geplanten Investitionen können wir nicht nur unsere Patientenversorgung auf modernstem Niveau halten, sondern wir ziehen auch Fachkräfte nach Hoyerswerda. Sowohl ein Hybrid-OP-Saal als auch roboterassistiertes Operieren sind heutzutage wichtige Voraussetzungen, manchmal schon Ausschlusskriterium bei Bewerbungen.“

Dr. Nasreldin Mohammed, der schon über 1.000 Eingriffe mit OP-Robotern gemacht hat, bei denen noch nie etwas passiert, ist extra aus Halle in die Lausitz gekommen, um dieses Projekt im Klinikum Hoyerswerda mitzuentwickeln. Er sagt: „In zehn Jahren wird jede Klinik mit Roboter operieren.“ Das benötigt natürlich weiteres Personal. „Eigentlich bedarf es in jedem Fachbereich einen Roboter-Beauftragten, der Ganze auch logistisch händelt“, erklärt Dr. Müller.

Könnte schon bald das neue Aushängeschild des Lausitzer Seenland Kinikums werden: Der OP-Roboter. Foto: Simons

Nachdem die Ausschreibung der Planungsleistungen bereits stattgefunden hat, kann nun mit der Vergabe für die Generalplanung Bau und Medizintechnik begonnen werden. Parallel dazu wird bis zum Januar der Bauantrag vorbereitet und beim Bauamt eingereicht. Hierfür arbeite das Klinikum eng zusammen mit der Stadt. Ebenso erfolgen die Ausschreibungen der beiden Großgeräte und der medizintechnischen Ausstattung sowie den Baugewerken.

Die Beschaffung des OP-Roboters soll bereits im Anfang 2024 realisiert werden und dann vor dem eigentlichen Einbau im OP-Saal zum Training der Operateure und des OP-Personals dienen. Der Baubeginn ist für das zweite Quartal 2024 vorgesehen. Der laufende OP-Betrieb soll währenddessen nicht eingestellt werden, was wegen den zu beachtenden Hygiene-Maßnahmen für das Klinikum natürlich eine absolute Herausforderung darstellt. „Wir wollen zeigen, dass wir der Mittelpunkt der Gesundheitsversorgung der Region sind“, äußert sich Geschäftsführerin Kirfe jedoch sehr zuversichtlich.

Zum Videointerview mit der Geschäftsführerin des Lausitzer Seenland Klinikums auf unserem Instagram-Account gelangt ihr hier.

Foto Titelbild: Juliane Kirfe, Geschäftsführerin des Lausitzer Seenland Klinikums, und VGH-Geschäftsführer Stefan Löwe freuen sich über die überreichten Förderbescheide von der Staatssekretärin des Sächsischen Ministeriums für Regionalentwicklung, Barbara Meyer. (Collage: Simons)

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