Thiem-Klinikum Cottbus: „Wir könnten das Tesla der Lausitz werden“
pm/Jannis Simons
Am vergangenen Dienstag lud der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) zum Themenabend „Uniklinik und Medizinische Fakultät in Cottbus – Chancen für den regionalen Mittelstand“ ein. Der Geschäftsführer des Carl-Thiem-Klinikum (CTK) Cottbus, Dr. Götz Brodermann, gab einen Einblick, wie eine Unimedizin in Cottbus aufgebaut werden soll.
Von Jannis Simons
BVMW-Regionalchef Ralf Henkler machte in seiner Eröffnungsrede deutlich, dass die geplante Uniklinik ein „Megaprojekt“ im Lausitzer Strukturwandel darstelle. Erst vor ein paar Wochen gab eine zehnköpfige Expertenkommission dazu grünes Licht und erarbeitete bereits erste Vorschläge. Die Kommission empfiehlt, an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg eine medizinische Fakultät zu gründen und das CTK zu einem Universitätsklinikum und digitalen Leitkrankenhaus auszubauen. Bis 2035 sollen dabei rund 1.600 direkte neue Arbeitsplätze entstehen. Die gleiche Anzahl wird dabei von Dienstleistern und Zulieferern erwartet. Schon jetzt gehört das CTK mit rund 2.500 Mitarbeitern zu einem der größten Arbeitgeber in der Region. Bei Umsetzung der Empfehlungen geht die Expertenkommission von einem geschätzten Finanzbedarf für Forschung, Lehre und Digitalisierung von etwa 1,9 Milliarden Euro für Investitions- und Betriebskosten bis 2038 aus.
„Das Tesla der Lausitz“
CTK-Geschäftsführer Dr. Götz Brodermann meinte dazu selbstbewusst: „Wir könnten das Tesla der Lausitz werden. Wir müssen jetzt anfangen größer zu denken.“ So soll im Zuge der geplanten Unimedizin eine Modellregion „Gesundheit Lausitz“ entstehen, in der das Innovationszentrum Universitätsmedizin Cottbus (IUC) der zukünftige Kern des Ganzen sein wird. Die Komponenten des IUC sollen das CTK als digitales Leitkrankenhaus sowie ein digital gestütztes Netzwerk von Akteuren der Gesundheitsversorgung in der Region sein. Das wissenschaftliche Profil des IUC soll sich neben den klassischen Aufgabentrias einer Universitätsmedizin (Forschung, Lehre und Krankenhausversorgung) an den Schwerpunkten Gesundheitssystemforschung“ und Digitalisierung des Gesundheitswesens ausrichten. Als Schnittstelle zwischen Uniklinikum, medizinischer Fakultät der BTU und der Region ist ein Kompetenzzentrum Gesundheitssystementwicklung vorgesehen. Sämtliche Forschungsvorhaben des IUC sollen in diesem Zentrum konzentriert werden. Das wäre deutschlandweit ein Alleinstellungsmerkmal und könnte als Pilotprojekt dienen, dass „nach außen strahlt“, ist sich Dr. Brodermann sicher. „Wir werden hier ein großes Reallabor bekommen, wo wir zu digitalen Gesundheitsanwendungen forschen können“, so der CTK-Geschäftsführer. Die Vision: Der Patient kann von zu Hause seine Daten in ein Datenzentrum schicken, wo jeder behandelnde Arzt darauf zurückgreifen kann, wenn es nötig ist. Götz Brodermann: „Das IUC muss etwas Besonders werden. Es geht darum, für die Lausitz einen Mehrwert zu schaffen.“
Erste Medizinstudenten schon 2026 in Cottbus?
Das Expertengremium erachtet das Wintersemester 2026/27 als möglichen Starttermin für die ersten Studierenden in Cottbus. Derzeit wird mit etwa 200 Medizinstudierenden pro Jahrgang und weiteren in den medizinnahen Masterstudiengängen geplant. Das bedeutet bei Volllast eines sechsjährigen Medizinstudiums, dass irgendwann 1.200 Medizinstudenten in Cottbus untergebracht werden könnten. Mindestens 80 Professuren sind zudem angedacht.
Herausforderungen und Chancen für Cottbus
Neue Herausforderungen, aber auch Chancen würden sich bei erfolgreicher Umsetzung auch für die Stadt Cottbus ergeben. Für die tausenden neuen Arbeitnehmer und Studenten bedarf es dann ausreichend Wohnraum. Die dazu nötigen Bauprojekte weisen einen Flächenbedarf von 29.000 Quadratmetern, so nah wie möglich am CTK, auf. Alle nötigen Vorplanungen zu diesem Bereich sind bereits angelaufen, so Dr. Brodermann.
Bis Ende 2022 soll das Konzept weiter qualifiziert und dann dem Wissenschaftsrat, dem wichtigsten wissenschaftspolitischen Beratungsgremium in Deutschland, zur Bewertung vorgelegt werden. Bevor das Projekt tatsächlich umgesetzt werden kann, müssen zu guter Letzt auch noch die anderen Bundesländer ihr grünes Licht geben. Rund 80 Millionen Euro pro Jahr werden benötigt, um hier Forschung und Lehre betreiben zu können. Das muss vom Bund finanziert werden.
Es sind also noch einige Hürden zu meistern, bevor in Cottbus eine Universitätsmedizin aufgebaut werden kann. Läuft alles nach Plan, würde das CTK nicht mehr von der Stadt Cottbus, sondern zukünftig vom Land Brandenburg getragen werden.
Ralf Henkler gab nach der Präsentation von Herrn Dr. Brodermann seinen Emotionen Raum: „Es ist schon Wahnsinn, welche Dimensionen dieses Projekt hat“, so der BVMW-Regionalchef. „Wir können nur hoffen, dass dieses Projekt wirklich in die Tat umgesetzt wird und drücken die Daumen.“
Bildtext: CTK-Chef Dr. Götz Brodermann erklärt interessierten Mitgliedern des BVMW, wie in Cottbus eine Unimedizin aufgebaut werden soll und welche Rolle dabei das CTK als digitales Leitkrankenhaus deutschlandweit spielen könnte.
Foto: Jannis Simons