LEX-Preis der Wirtschaftsinitiative Lausitz in Cottbus gestartet – Wer beweist sich heute in der zweiten Runde der »Höhle der Wölfe«?

Im Startblock B2 in Cottbus fand Ende Mai die erste öffentliche Pitchrunde des Lausitzer Existenzgründungs-Wettbewerbes (LEX) 2023 statt, der zum 19. Mal von der Wirtschaftsinitiative Lausitz e.V. (WiL) durchgeführt wird. Vier Teams stellten dem Publikum und einer Jury ihre Gründungen erstmals im Rahmen des neuen Konzeptes des renommierten Wettbewerbs in unserer Region vor. Wer darf sich schon aufs Finale freuen und wer kann alles bei der zweiten öffentlichen Pitchrunde im Dock³ bei Schwarze Pumpe am heutigen Dienstag vom Einzug ins Finale träumen?

jas/pm

Bereits seit 2004 wird der LEX-Preis vergeben, der in diesem Jahr damit zum 19. Mal von der WiL durchgeführt wird. Und doch ist in diesem Jahr vieles anders. War es in in den vergangenen Jahren üblich, dass nur den drei Preisträgern des offiziellen LEX-Preises sowie der besten Schülerfirmengruppe eine Bühne vor Wirtschaftsakteuren und politischen Vertretern der Nieder- und Oberlausitz bei der Preisverleihung geboten wurde, richtet die WiL den Wettbewerb in diesem Jahr mit neuem Konzept aus. WiL-Geschäftsführer Tim Berndt: „Mit der neuen Struktur wollen wir nicht nur die besten Drei sichtbar machen, sondern alle, die in ihren Hut in den Ring werfen. Denn alle Gründungen in unserer Lausitz sind positiv zu verstehen, gerade im aktuellen Wandel der Region.“ So dürfen sich alle Teilnehmenden erstmals vor interessierten Pressevertretern und verschiedenen Wirtschaftsakteuren der Öffentlichkeit präsentieren und müssen gleichzeitig eine vierköpfige Jury von sich und vor allem von ihrer Geschäftsidee überzeugen.

Die Jury v.l.n.r, bestehend aus Tim Berndt (Geschäftsführer der WiL), Claudia Matthes (Inhaberin studio Kniften und Vorstandsmitglied Kreative Lausitz e.V.), Laura Staudacher (Vorsitzende Junge Lausitz e.V.) und Sebastian Bubner (Inhaber purenergies und Lausitzer des Jahres).
Foto: Simons

Aquaristik im Café-Style, Motorradbestattungen, Bauen mit Hanf und digitales Bürgeramt

Den Anfang bei der Premieren-Pitchrunde Ende Mai im Startblock B2 machte Oliver Heinrich. Der Zittauer, der in Cottbus bis zur Wende groß geworden ist, plant zusammen mit seiner Frau Aline ein 225 m² großes Café im Zittauer Stadtkern. Deutschlandweit einzigartig dabei ist, dass der kulinarische Genuss mit lebendiger Aquaristik und Vivaristik (bezeichnet die Pflege und Zucht von Tieren in einem, dem natürlichen Lebensraum möglichst nahekommenden, künstlich durch den Menschen geschaffenen Lebensraum) vereinen soll. „Wie wäre es, den Kuchen im Amazonas zu genießen? Oder Cookies in Asien futtern, obwohl man in Zittau sitzt?“, fragte Oliver Heinrich zur bildlichen Vorstellung ins Publikum. Zusätzlich sollen für Kindergärten und Schulen Bildungsbesuche angeboten werden, um Kindern und Jugendlichen auf diese Art und Weise Naturschutz und Klimawandel näherzubringen. Die Züchtung von seltenen Fisch-Arten soll auch ein essenzieller Teil des Hauptgewerbes sein. Mehr Infos unter: AQUAGARDEN CAFE BY A&O, Zittau, www.aquagarden-cafe.com

Den zweiten Pitch in Cottbus präsentierte Justin Bartsch, der zusammen mit seinem Team, deutschlandweit einzigartige Motorrad- und Feuerwehrbestattungen anbietet. Dabei werden Sarg oder Urne in speziell umgebauten Motorradgespannen oder einem Feuerwehrfahrzeug würdevoll zur letzten Ruhe überführt. Der frühere Industriemechaniker bei LEAG wurde durch einen Verkehrsunfall in die Selbstständigkeit getrieben. Speziell die umfunktionierten Motorradbeiwagengespanne könnten perspektivisch auch als Campingbeiwagen oder als Rettungsfahrzeug in „schmalen“ Einkaufshäusern genutzt werden, fügte er an. Mehr Infos unter: BLACKFINITY GmbH, Spremberg, www.blackfinity.info

Als drittes präsentierten Laura Demling und Sebastian Kaiser ihr Konzept um „Hanffaser Lausitz“. Das fünfköpfiges Team plane eine Produktionsstätte zur Herstellung von Bauprodukten aus Industriehanf. Träger wird eine Industriegenossenschaft. Dabei wird traditionelle Lausitzer Baukultur mit ökologischen, landwirtschaftlichen und bauphysikalischen Vorteilen wiederbelebt. Mehr Infos unter: Hanffaser Lausitz, Zittau, www.hanffaser-lausitz.de

Beim letzten Pitch gab es eine Besonderheit, die aber perfekt zur Geschäftsidee passte. Anasas Halime war nämlich digital aus Görlitz zugeschalten. Der Inhaber von ITM-Solutions Halime hat eine Software entwickelt, mit der klassische Serviceleistungen von Bürgerämtern, z.B. das Erstellen von Meldebescheinigungen, online erbracht werden könne. Terminsuche und lange Wartezeiten bei Besuchen von Behörden könnten so entfallen. Kunden sollen demnach Gemeinde, Städte, Behörden werden. Mehr Infos unter: ITM-Solutions Halime, Görlitz, www.itm-solutions-halime.de

Hartes Ringen der Jury

Die vierköpfige Jury, bestehend aus Tim Berndt (Geschäftsführer der WiL), Sebastian Bubner (Inhaber purenergies und Lausitzer des Jahres), Claudia Matthes (Inhaberin studio Kniften und Vorstandsmitglied Kreative Lausitz e.V.) und Laura Staudacher (Vorsitzende Junge Lausitz e.V.) kürte nach langem hin und her wiegen hinter verschlossenen Türen schließlich Hanffaser Lausitz zum besten Pitch des Abends. Damit zieht das Team direkt in das Finale des LEX 2023 ein, welches am 13. September 2023, wieder im Startblock B2 in Cottbus im Rahmen eines Gründungsfestes zusammen mit dem Kooperationspartner StartupLausitz stattfinden wird. Doch auch die anderen Teams haben durch eine Nachnominierung im sogenannten „Hoffnungslauf“ nach Abschluss aller Pitch-Veranstaltungen noch die Chance auf das Finale.

Tim Berndt, Geschäftsführer der WiL: „Das Unternehmenskonzept von Hanffaser Lausitz belebt nicht nur traditionelle Lausitzer Baukultur mit ökologischen, landwirtschaftlichen und bauphysikalischen Vorteilen wieder. Es passt nach Meinung der Jury auch hervorragend zum Strukturwandel der Lausitz, der u. a. durch den Umstieg auf innovative und regenerative Lösungen geprägt ist. Insbesondere der nachhaltige Ansatz von Hanffaser Lausitz ist ein echtes ‚Enkelinvestment‘ und trägt damit zur langfristigen positiven Entwicklung der Region bei. Man könnte meinen, der Baustoff Hanf ist hierbei zur richtigen Zeit am Ort.“ Laura Demling von Hanffaser Lausitz: „Wir sind natürlich sehr stolz, dass wir uns gegen die anderen tollen Ideen und Gründungsteams durchgesetzt haben, die es allesamt verdient hätten, ins Finale einzuziehen.“ „Wir nehmen vom Jury-Feedback aber auch mit, dass wir an unserem Marketing noch arbeiten müssen“, ergänzte Teamkollege Sebastian Kaiser.

Tim Berndt sagte abschließend zur ersten Pitch-Runde: „Wir bekamen schon jetzt deutschlandweit einzigartige Ideen made in Lausitz präsentiert. Allein deshalb hat sich dieser erste Pitch schon gelohnt und steigert die Vorfreude auf die zweite Pitch-Runde.“

Sebastian Kaiser und Laura Demling vom Siegerteam „Hanffaser Lausitz“ der ersten Pitchrunde in Cottbus. Foto: Simons

Zweite Runde im Dock³

An diesem Dienstag, den 13. Juni, findet ab 16:00 Uhr im Dock³ in Spreetal, direkt am Rande des Industrieparks Schwarze Pumpe die zweite, für alle Interessierten öffentliche Pitchrunde des LEX 2023 statt. Dort gehen folgende Teams an den Start:

  • Goldschmiede Wesenberg, Cottbus
  • Seenland-Safran, Hermsdorf
  • treibHaus, Senftenberg
  • AWEGO Horses & Stunts GmbH
  • KONSUM, Jänschwalde

„Start-Up-Atmosphäre – sympathische junge Menschen, die an die Lausitz glauben – tolle Ideen, teilweise wirklich einzigartig – Adrenalin – ein unterstützendes Publikum – ein positives Schlaglicht auf die Lausitz und ihre Gründungsszene – Herz, was willst du mehr?!“, lädt die WiL mit emotionalen Worten wieder alle Gründungsinteressierten und Neugierige ein, in die „Lausitzer Höhle der Wölfe“ zu kommen, bei der nun wahrlich kein aufgefressen wird. Aber spannende Unterhaltung ist garantiert. Kommen Sie vorbei und schauen Sie, was für engagierte Gründerinnen und Gründer die Lausitz zu bieten hat.

2. Pitch-Veranstaltung des LEX 2023

  • 13. Juni 2023 ab 16:00 Uhr
  • Dock³ (Südstraße 3, 02979 Spreetal)

Info

In den vergangenen 18 Jahren hat der LEX über 330 Unternehmen durch Coaching und mehr zu eigenen Businessplänen verholfen und mit mehr als 220.000 Euro Preisgeld auf ihrem Weg in eine erfolgreiche unternehmerische Selbstständigkeit unterstützt. Dadurch wurden mehr als 1.100 Arbeitsplätze in der Lausitz geschaffen und Spotlights auf die vielfältige und innovative Lausitzer Gründungsszene gerichtet. Von von den rund 700 Einreichungen von Geschäftsplänen seit dem ersten LEX-Preis im Jahr 2004 sind knapp über 350 Unternehmen noch heute am Markt. Auch für den diesjährigen LEX-Preis 2023 kann sich noch beworben werden. Weitere Informationen hier.

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