Lausitzrunde in Forst (Lausitz): Stolz, Selbstkritik und Zuversicht vor dem 10-jährigen Jubiläum

Das kommunale Bündnis Lausitzrunde tagte am Barbaratag, den 04. Dezember, zum letzten Mal im Jahr 2025 in großer Runde. Ort war das kürzlich wiedereröffnete Museum für Textil- und Industriegeschichte Lausitz in der Rosenstadt Forst (Lausitz). Vor dem 10-jährigen Jubiläum des kommunalen Bündnisses im kommenden Jahr ist es an der Zeit, Resümee zu ziehen und Verbesserungspotenziale zu kommunizieren.

Jannis Simons

Christine Herntier, Bürgermeisterin der Stadt Spremberg und Brandenburger Sprecherin der Lausitzrunde, warf zu Beginn der öffentlichen Sitzung gleich einen Blick aufs kommende Jahr. Dort jährt sich nämlich der Jahrestag des Briefes des Lausitzer Bündnisses an die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel zum 10. Mal, der auch gleichbedeutend die Geburt der Lausitzrunde (LR) bedeutete. Seitdem ist viel passiert. So ging es an diesem Donnerstag u.a. darum, einen Blick zurück auf das bislang Erreichte zu werfen, aber auch den Blick nach vorn zu richten, Kritikpunkte offen anzusprechen und Verbesserungspotenziale zu erkennen.

Kommunikation zum Strukturwandel verbesserungswürdig

Übereinstimmend wurde gesagt: „Die Kommunikation zum Strukturwandel muss unbedingt verstärkt werden.“ „Wir müssen uns auch mal erlauben, auf das stolz zu sein, was wir bisher erreicht haben“, so Herntier. Auch Lars Katzmarek, Landtagsabgeordneter in Brandenburg und Mitglied der Jungen Lausitz, nahm alle Anwesenden in die Pflicht, über den Tellerrand hinauszuschauen, mal neue Kommunikationswege zu überlegen und diese mit Mut zu gehen, um mehr die junge Generation mit diesem so wichtigen Thema ‚abzuholen‘. Aus eigener Erfahrung berichtete er, wie wenig oft ganze Schulkassen über den Strukturwandel in der Lausitz wissen: „Entwicklungen, wie die Entstehung des Neuen Bahnwerks und die Gründung der Unimedizin in Cottbus, nimmt die jüngere Generation schon wahr, bringt diese aber meistens gar nicht in Verbindung mit dem Strukturwandel und den ganzen anderen Prozessen, die parallel dazu laufen“ und fügte an: „Junge Leute werden nicht kommen, wenn es keine Wissenschaft, keinen guten ÖPNV und keine Kommunikation gibt, die diese Menschen erreicht.“

Als besonderen Gast durfte die LR erstmals die Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Elisabeth Kaiser, begrüßen. Sie sieht großes Potenzial, dass die Lausitz eine Modellregion für einen gelingenden Strukturwandel in ganz Europa wird. Dabei hob sie die bisherige Arbeit der kommunalen Vertreter besonders hervor und versprach einen guten Austausch mit dem Bündnis in Ihrer Amtszeit: „Sie leisten eine unglaubliche Pionierarbeit hier vor Ort“, lobte die Ministerin.

Die Lausitz als erstes Net Zero Valleys Europas noch in diesem Jahr?

Dr. Maria Marquardt von der Stadt Cottbus präsentierte einen aktuellen Stand zum „Net Zero Valley“. Damit soll die Nieder- und Oberlausitz – vergaberechtlich gesehen vom Landkreis Dahme-Spreewald bis nach Zittau im Landkreis Görlitz – künftig kräftig u.a. von schnelleren Verwaltungs- und Genehmigungsprozessen, weniger Bürokratie oder einer „Net Zero Akademie“ für Investitionen von Netto-Null-Technologien (klimaneutrale Technologien) vor Ort in der Region profitieren. Die Lausitz würde damit zum ersten Net Zero Valley Europas werden. Alle Beteiligten hoffen, den entsprechenden Ausweisungsbeschluss noch in diesem Jahr – genauer gesagt am 16. Dezember – zu erhalten.

Während der Görlitzer Landrat Dr. Stephan Meyer betonte, dass das zentrale Thema dabei schnellere Genehmigungs- und Planungsverfahren wäre, die die Lausitz für Investoren und Gewerbetreibende noch attraktiver machen werde, und es kein reines Marketinginstrument werden soll, sieht Christine Herntier das Net Zero Valley als Reallabor auf Bundesebene.

„Das Net Zero Valley ist auch ein großer Erfolg der Lausitzrunde“, meint der sächsische Sprecher der Lausitzrunde und Bürgermeister der Gemeinde Boxberg / Oberlausitz, Hendryk Balko. Seine Gemeinde wartet indes noch immer auf einen positiven Fördermittelbescheid für das geplante Gesundheitszentrum. Im Hinblick auf die zweite Förderperiode im Strukturwandelprozess mahnt er: „Den kleineren und mittelständischen Unternehmen, die heute noch von der Kohle leben, müssen zeitnah noch mehr neue Perspektiven im Strukturwandel geboten werden.“

Der Lausitzbeauftragte der Brandenburger Landesregierung, Dr. Klaus Freytag sieht speziell die brandenburgische Lausitz auf einem guten Weg. „Wir haben in den vergangenen Jahren Strukturwandel mehr Stellen geschaffen als abgeschafft wurden und wichtige Versprechen, wie Bundes(forschungs-)einrichtungen in die Lausitz zu holen, eingehalten.

Der Görlitzer Landrat, Dr. Stephan Meyer, sieht großes Potenzial in den Vorteilen, die das Net Zero Valley bringen würde. Sein Landkreis arbeitete zusammen mit der Stadt Cottbus intensiv an der Bewerbung und den Richtlinien für dieses länderübergreifende Projekte zwischen Brandenburg und Sachsen. Foto: Simons

 

Wissenschaftsprojekte als Anker für junge Menschen verstehen

Herntier erläuterte in diesem Zusammenhang: „Wissenschaftseinrichtungen und -projekte werden oft kritisch betrachtet und zugleich abgelehnt, weil die potenzielle Wirtschaftskraft, die von diesen Projekten in den kommenden Jahren ausgeht, meistens nicht gesehen wird.“ Dabei sind es aus Sicht der Spremberger Bürgermeisterin eben diese Projekte, die junge und innovationsfreudige Menschen in der Region halten und neue aus der ganzen Welt in die Lausitz locken. Dr. Meyer untermauerte diese Aussage: „Es ist der absolut richtige Weg auf Forschung und Entwicklung hier zu setzen, auch wenn das vielleicht erst in 10-15 Jahren spürbar sein wird.“ Hier müsse aus Sicht des Landrats noch mehr Fokus auf die passende Kommunikation gerichtet werden.

In einem Punkt zeigte sich Herntier selbstkritisch, denn aktuell werden nicht mehr alle rund 60 Mitgliedskommunen der Lausitzrunde erreicht bzw. beteiligen sich die einen mehr oder weniger. „Wir wollen wieder mehr ‚ins Land‘ fahren“, nehme sie sich dabei selbst in die Pflicht. „Ressourcen gehen verloren, wenn wir nicht von allen Mitgliedsunternehmen wissen, was sie gerade umtreibt“, so die LR-Sprecherin.

Es wurde deutlich, dass die Arbeit der Lausitzrunde noch längst nicht abgeschlossen ist und sie sich auch im kommenden Jubiläumsjahr eine Menge Hausaufgaben angenommen hat, die sie aber mit Zuversicht angeht- für eine gemeinsame, starke Stimme der Lausitzer Kommunen.

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