Lausitzer Fachkräfte-Netzwerk als Impuls von Unternehmen im Industriepark Schwarze Pumpe gegründet

Allein ein guter Arbeitsplatz reicht nicht

Was können mittelständische Unternehmen tun, um dem Fachkräftemangel zu begegnen? In der Lausitz hat sich eine länderübergreifende Initiative gegründet, die privatwirtschaftliches Engagement mit dem von kommunalen und Landesinstitutionen vernetzt und gemeinschaftliches Handeln deshalb einfacher macht.

Aus der Sommerausgabe 2023 des STARK für die LAUSITZ-Magazins

Die australische Altech-Gruppe gründete am Industriepark Schwarze Pumpe (ISP), dem Hot Spot des Strukturwandels in der brandenburgisch-sächsischen Lausitz, zwei Tochterunternehmen, die sich mit Batterietechnologie beschäftigen. 11 Mitarbeiter für die bereits gestartete Pilotproduktion zu finden, war kein Problem. Die überwiegend jüngeren Leute mit Ingenieursabschluss gaben gute Jobs auf, weil sie es reizvoll fanden, mit Pioniergeist an einer spannenden Perspektive zu arbeiten. Bis 2028 aber folgen Produktionsanalagen, deren Betrieb bis zu 1000 Leute benötigt. Das, wusste Carsten Baumeister, Projektleiter (COO) am Standort, wird schwer. Mit üblichem Personalmarketing und allein ist das nicht zu stemmen.

Der Industriepark Schwarze Pumpe gilt als der Hot Spot des Strukturwandels in der Region Lausitz. In den kommenden Jahren werden dort voraussichtlich weitere ca. 5000 Fachkräfte benötigt. Foto: Drohnen Expertise.

Wir bewegen uns auf Neuland

Obwohl Altech nicht nur technologisch, sondern auch beim Personal bereits neue Wege geht. „Wir bewegen uns auch hier und nicht nur technologisch auf Neuland.“ Gebraucht werden zukünftig u.a. Automatisierungstechniker und Maschinen- und Anlagenfahrer. „Mit dem Industriekeramiker wird zudem ein Beruf gebraucht, der schon sehr lange nicht mehr ausgebildet wurde“, so Carsten Baumeister. Hier wurde er schon aktiv und nahm Kontakt zu Berufsausbildungseinrichtungen auf. Das blieb jedoch nicht seine einzige Initiative. Er gründete eine Arbeitsgruppe, die sich länderübergreifend um die Standortentwicklung des um den Industriepark befindlichen Städte-Dreiecks in Bezug auf Fachkräfte kümmert. Unter Federführung der Wirtschaftsinitiative Lausitz, der Aktions- und Netzwerkplattform Lausitzer Unternehmen, kamen weitere Unternehmen, Kommunen, Wirtschaftsförderer, Arbeitsagenturen und Bildungswerke ins Boot. Gemeinsam konzeptionierte man das Projekt Fachkräfte im Industriedreieck Schwarze Pumpe – kurz PROF.ISP, welches unternehmensübergreifend Fachkräfte in die Region holen und zudem für eine passende Qualifizierung sorgen soll.

Impuls des Mittelstands

Die Initiative ist ungewöhnlich. Denn PROF.ISP arbeitet nicht staatlich verordnet, sondern freiwillig, aus einem Impuls des Mittelstands heraus. Und der Altech-COO schaut damit nicht nur über den Tellerrand seines Unternehmens hinaus, sondern verbündet sich mit den Kommunen und auch mit anderen Firmen aus dem Umfeld, die der Fachkräfte wegen miteinander im Wettbewerb stehen. „Die gegenseitige Abwerbung ist jedoch keine Lösung und langfristig für den Wirtschaftsstandort schädlich.“ Erhebungen haben ergeben, dass im Industriepark neben dem Bedarf von Altech in den kommenden Jahren weitere 4.000-5.000 Menschen benötigt werden.

Unternehmen brauchen die Region

Der Industriepark ist keine Insel, betont Carsten Baumeister. „Nicht nur die Region braucht Unternehmen wie uns, sondern wir, die Unternehmen, brauchen auch die Region“, umreißt er seinen Ansatz. Fakt sei jedenfalls, dass das Fachkräfteproblem nicht ohne Zuzug von außen, aus anderen Regionen Deutschlands, Europas und auch darüber hinaus, gelöst werden kann. Doch allein ein guter Arbeitsplatz mache es eben nicht. Menschen, meint er, die in die Unternehmen „gelockt“ werden sollen, wollen auch gut wohnen, leben, einkaufen, genießen. Das bestätigt auch Tim Berndt: „Was ist mit dem branchenfremden Arbeitsplatz für die Partnerin, den Partner? Wo können die Kinder zur Schule gehen? Was kann man in der Freizeit machen? Wenn so ein Paket angeboten werden kann, hat man bei der Fachkräfteanwerbung die Nase vorn und dazu braucht es engere Kooperation zwischen Kommunen und Wirtschaft“, ist der der Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiative Lausitz überzeugt. Er sieht PROF.ISP als Chance für das Industriedreieck, was zudem als Modellprojekt auch für andere Regionen dienen kann. „Diese Arbeit braucht aber geplantes Vorgehen und kann nicht „so nebenbei“ erledigt werden. Hierfür ist eine eigenständige Struktur erforderlich, idealerweise ermöglicht durch Förderung, da übergreifende Themenfelder ineinandergreifen müssen.“

Kollidierende Probleme

„Dem Fachkräftemangel ist deshalb so schwer zu begegnen, weil er auf mehreren kollidierenden Problemen gründet. Ich nenne da nur mal die Stichpunkte Überalterung, Landflucht, Akademisierungswahn, Einwanderungsrecht und Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse. In der Lausitz sind diese Probleme teilweise besonders ausgeprägt. Hinzu treten leider noch regionale Herausforderungen wie z.B. ein mediales Außenbild, das ausländische Fachkräfte nicht gerade anzieht. Ich erkenne hier nicht nur einen Fachkräftemangel, sondern eine drohende Fachkräftekrise. Diese zu überwinden, wird nur gelingen, wenn mutig und mit vereinten Kräften agiert wird. Wenn man feststellt, dass bestehende Lösungswege nicht oder zu langsam ans Ziel führen, müssen neue Wege erschlossen werden. Es gibt dazu keine konstruktive Alternative.“ Die Mittelstands-Initiative PROF.ISP engagiert sich auf verschiedenen Ebenen: Anwerbung, Aus- und Weiterbildung, weiche Standortfaktoren, Außenwirkung, Willkommenskultur. Daran gearbeitet wird kooperativ, auf Augenhöhe, private Wirtschaft mit kommunalen und Landesinstitutionen ganz eng vernetzt. Die Strategie heißt: Gemeinsam handeln!

Weitere spannende Beiträge über Macher, Unternehmer, deutschlandweit einzigartige Projekte Made in Lausitz usw. lesen Sie in der Sommerausgabe 2023 des »STARK für die LAUSITZ«-Magazins des WochenKurier. Das Magazin finden Sie kostenfrei in vielen Auslagenstellen in der Ober- und Niederlausitz sowie als E-Paper hier.

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