Lausitzer Antworten auf Herausforderungen des Klimawandels
Ende August fand an verschiedenen Orten der Lausitz das internationale Circular Bioeconomy Clustermeeting statt. Es ging um Erfahrungsaustausch, internationale Vernetzung, Wissens- und Technologietransfer. Die mehrtätige Konferenz wurde von der T+I Technologie- und Innovations Consult GmbH (T+I Consult) Berlin in Kooperation mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU), dem Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften e.V. (FIB) Finsterwalde und der University of Queensland (Australien) organisiert.
Aus der Herbstausgabe des STARK für die LAUSITZ-Magazins 2023.
Dreitägige Konferenz zu bioökonomischer Kreislaufwirtschaft auf Tagebaufolgelandschaften
Fast 100 internationale Teilnehmer aus Unternehmen, Wissenschaft und Politik waren beim mehrtägigen Treffen dabei, das für die Region relevante Themen wie Wassermanagement, Umwelt und Ernährung sowie Digitalisierung, Automatisierung und Energie behandelte. Insgesamt wurden 59 Präsentationen von den deutschen, australischen und polnischen Teilnehmern gehalten. Dazu gehörten auch zwei Podiumsdiskussionen pro Tag und der „Farmers Talk“ mit Landwirten aus der Region. Das Clustermeeting fand im Rahmen von Lusitza Trans Connect (LuTraCo) statt, welches der Unterstützung des Transformationsprozesses der Lausitz als einstige Braunkohleregion in eine neue Perspektive dient. Genutzt wird hierbei die spezifische Förderung von Entwicklung, Anwendung, Markteinführung innovativer und nachhaltiger Produkt- und Verfahrenslösungen zur Stärkung von Kreislaufprozessen in Land-, Gewässer- und Ernährungswirtschaft. Das nächste Treffen des T+I-Clusters ist für November 2024 im australischen Brisbane in Zusammenarbeit mit der University of Queensland geplant. Für die nahe Zukunft sind eine Reihe von Projekttreffen mit den Partnern der internationalen Innovationsnetzwerke Water4all, Omniborne Systems und Mikroalgen sowie dem Food Systems Partnernetzwerk anberaumt. Ziel ist es, die Partner aus Deutschland, Polen und Australien bei ihren Kooperationsvorhaben weiter zu begleiten und neue Partner zu integrieren.
Dr. Klaus Freytag, Lausitzbeauftragter des brandenburgischen Ministerpräsidenten:
„Das Netzwerken wurde beim Clustermeeting mit internationaler Beteiligung exzellent umgesetzt. Ich gehe davon aus, dass die neuen Partnerschaften vertieft und gefestigt wurden. Von den verschiedenen Akteuren erwarte ich weitere konkrete Vorschläge, wie wir nicht nur den Strukturwandel besser machen können, sondern auch wie aus der Lausitz Antworten auf die globale Herausforderung des Klimawandels aussehen. Hier wird schon ein aktives Netzwerk in den Strukturwandelprozess mit eingebracht. Andere Akteure müssen dies über Konferenzen etc. erst aufbauen. Damit kann das Clustermeeting schon konkretere Maßnahmen oder Projekte verabreden.“
Prof. Michael Hübner, Vizepräsident für Forschung und Transfer der BTU Cottbus-Senftenberg:
„Innovative und nachhaltige Produkt- und Verfahrenslösungen zur Optimierung von Kreislaufprozessen sind ein wichtiges Forschungsthema in zahlreichen Projekten der BTU. Große Forschungsinitiativen beschäftigen sich mit neuen Fertigungstechnologien, neuen Materialien und Lösungen zur Einsparung von Energie. Beispiele hierzu sind das Projekt ‚SpreeTec neXt – Neue Fertigungstechnologien für Komponenten und Systeme der dezentralen Energietechnik‘ und das ‚Center for Hybrid Electric Systems Cottbus (chesco)‘. Der Dialog mit Wissenschaftlern sowie Vertreten aus der Wirtschaft soll zu weiteren Kooperationen und Forschungsthemen führen.“

Grafik: Free Stock photo by Vecteezy
Prof. Ben Hankamer, Institut für Molekular- und Biowissenschaften an der University of Queensland, Australien:
„Die gesamte internationale Gemeinschaft steht vor ähnlichen Herausforderungen, was z.B. die Lieferung von Nahrungsmitteln, Treibstoff, Wasser und Reduzierung der CO2-Emissionen betrifft. Darauf beruht die wirtschaftliche, soziale, ökologische, klimatische und politische Sicherheit. Dieses Treffen hat die Verbindungen zwischen Deutschland und Australien ausgebaut und die gemeinsame Kompetenzbasis erweitert. Das ist eine Grundlage für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben. Da geht es auch um nachhaltige regionale Arbeitsplätze und neue Exportmöglichkeiten.“
Dr. Michael Haubold-Rosar, Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften (FIB) e.V., Finsterwalde:
„Das Treffen zeigte vielfältige Ansätze für neue Wertschöpfung im Bereich der Bioökonomie auf und fördert den Austausch von Erfahrungen zwischen Wissenschaftlern, Landwirten, Verarbeitungs- und Produktionsbetrieben. Das FIB erarbeitet innovative Lösungen zur Bodenverbesserung und -rekultivierung durch Zufuhr organischer Stoffe. Im Cluster aufgezeigte Optionen zur Stimulierung des Bodenlebens sollten weiterverfolgt werden. Zudem bestätigen die vielfältigen Vorträge des Workshops zur Kultivierung und vielseitigen Verwendung von Algen die Absicht des FIB, dieses Thema im Rahmen des Netzwerkes Nachwachsende Rohstoffe stärker zu behandeln.“
Christian Jaschinski, Landrat Elbe-Elster:
„Das Clustermeeting ist ein Meilenstein der gemeinsamen Anstrengungen zur Entwicklung der Lausitz. Im Kern geht es darum, neu entwickelte Produkte und Verfahren der internationalen Teilnehmer für die Entwicklung der Lausitzer Region zu nutzen. Auch dadurch sollen neue und langfristig wirksame Jobs auch in der Land- und Forstwirtschaft geschaffen werden. Der Landkreis Elbe-Elster ist nicht nur strategischer Partner, sondern auch in der Projektinitiative mit dabei. Zudem unterstützen wir den Weg zu einem Innovations-, Technologie- und Businesspark Wasser-Wirtschaft mit angegliedertem Campus in Doberlug-Kirchhain.“


Foto: Tudyka.PR
Ewa Witon-Morgiewicz, PhD, TC3 Ltd., Szczecin, Polen:
„Das Clustermeeting lebt vom starken Engagement der Teilnehmer. Es war ein Vergnügen, andere Fachleute zu treffen. Wir haben uns über technologische Möglichkeiten ausgetauscht und planen, die Gespräche fortzusetzen. Wir hoffen dabei auch auf ein gemeinsames Projekt.“
Jeffrey Ley, JL Algae Science PTY Ltd., Australien:
„Das Clustertreffen bot allen Teilnehmern die Möglichkeit, sich auf den neuesten Stand der Wissenschaft und Technik zu bringen. Wir haben ein viel besseres Verständnis für unser Green Patch Projekt erwirken können und sind zuversichtlich, dass wir bei den gemeinsamen Anstrengungen mit unserem deutschen Partner weiter gute Arbeit leisten werden.“
Tobias Schick, Oberbürgermeister von Cottbus:
„Die Lausitz ist eine der spannendsten Regionen, die es in Deutschland zurzeit und in den kommenden Jahren gibt. Ja, wir arbeiten hier an großen Leuchtturm-Projekten. Das sind jedoch keine Geschenke, sondern Notwendigkeit, um den Ausstieg aus der Kohlewirtschaft abzufedern und auszubalancieren. Und wir wissen auch, dass in den Leuchttürmen jemand das Licht anmachen muss.
Dazu brauchen wir die Kooperation, den Wissensaustausch, die Netzwerke. Das Clustermeeting und die regionale Partnerschaft bieten die Gelegenheit, unsere Region und die verschiedenen Akteure kennenzulernen und sich auszutauschen – auch zu neuen Geschäftsmodellen. Nicht zuletzt laden wir dazu ein, hier zu investieren. Dabei eint uns das Interesse an der nachhaltigen Entwicklung in sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht durch innovative Projekte. Reden ist Silber, das Machen ist goldwert.“
Es geht um die bestmögliche Umsetzung des Strukturwandels
Warum sich eine Berliner Unternehmensberatung für die Transformation der Lausitz interessiert
Herr Prof. Groß, es finden derzeit in der Lausitz viele Veranstaltungen zum Thema Transformation und Nachhaltigkeit statt. Was ist das Besondere am Circular Bioeconomic Clustermeeting? Was wird dort thematisiert, was andernorts weniger eine Rolle spielt?
Das Clustermeeting in der Lausitz ist ein Baustein der gemeinsamen Anstrengungen zur bestmöglichen Umsetzung des Strukturwandels. Wir haben das LuTraCo-Programm dafür entwickelt, gezielt Ergebnisse oder Zielstellungen von Innovationsprojekten, sogenannte Ready to Go Projekte, mit Partnern in der Lausitz einer produktiven Umsetzung zuzuführen. Denn Innovation ist kein Selbstzweck, eine wirtschaftliche Verwertungsperspektive sollte stets erkennbar sein.
Dabei helfen uns z.B. bestehende oder gezielt vorbereitete ZIM-Innovationsnetzwerke bei der Vorbereitung und dem Transfer der Ergebnisse in bestehende oder neue wirtschaftliche Strukturen in der Lausitz. Hier wird also nichts von außen übergestülpt, sondern passend integriert. In der öffentlichen Wahrnehmung scheinen in erster Linie Themen wie Wasserstoff oder Batterietechnologie im Vordergrund zu stehen. Wir fokussieren jedoch vor allem Projekte in den Bereichen Ernährung und Umwelt, wenn auch verbunden mit Energie, Digitalisierung und Automatisierung. Es geht um die Sicherung einer klimafreundlichen Kreislaufwirtschaft. Einsatzfelder sind insbesondere Betriebe der Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion. Wir sind davon überzeugt, dass auch diese Branchen eine immense Bedeutung haben.
Was ist das Ziel solcher Meetings?
Wir stellen einerseits bereits bestehende Kooperationen zur Entwicklung neuer Produkte und Technologien sowie deren Vermarktung beispielhaft vorzustellen. Dabei wollen wir auch neue Potentiale ausloten. Produktangebote und Technologien sollen ohne Umwege in den jeweiligen Zielmärkten platziert werden können. Es geht darum, innovativen und wachstumsstarken Unternehmen weitere wirtschaftliche Perspektiven zu eröffnen. Aber es geht dabei auch um neue und nachhaltige Jobs auf beiden Seiten unseres Kontinents, die durch die verschiedenen Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit entstehen. Allein durch unsere enge Partnerschaft mit australischen Unternehmen und der weltweit renommierten University of Queensland haben wir einen sehr spannenden Austausch, der hilft, den eigenen Horizont zu erweitern.
Warum fand das Meeting in der Lausitz statt? Welche Bedeutung hat es für die Region?
Das diesjährige Clustermeeting in der Lausitz reihte sich nahtlos in eine Reihe von Treffen deutscher, australischer und vermehrt polnischer Unternehmer und Wissenschaftler ein, die seit 2017 abwechselnd im australischen Bundesstaat Queensland und Deutschland stattfinden. Wichtige Akteure des Transformationsgeschehens sind in der Lausitz angesiedelt. Diese Player sind am internationalen Geschehen in den Bereichen Entwicklung, Produktion und Vermarktung interessiert. Umgekehrt interessieren sich weltweit Unternehmen über die Wege und Möglichkeiten des Transformationsprozesses gerade hier in der Lausitz. Deshalb macht es Sinn, sich genau hier zu treffen. Denn die Lausitz ist eine der Wachstumsregionen in Deutschland mit einer starken Perspektive, in der Neuland betreten wird. Damit steht sie auch im internationalen Wettbewerb um Ansiedlungs- und Investitionsstandorte. Wir wollen die Lausitz in diesem Wettbewerb positionieren und stärken helfen. Mit dem Clustermeeting bieten wir eine Plattform, auf der nicht nur unter Fachleuten genetzwerkt werden kann. Wir möchten forcieren, dass weitere Kooperationen angebahnt und Investitionen vorbereitet werden. Dabei ist es im Übrigen sehr unterstützend, hier bereits seit einigen Jahren die BTU an seiner Seite zu wissen. Solche komplexen Themen voranzubringen, geht nur gemeinsam.

Foto: Tudyka.PR
Sie arbeiten eng mit der University of Queensland zusammen. Worin unterscheidet sich die Arbeit der Australier von der in Deutschland?
Australien verfügt über eine ausgezeichnete und international ausgerichtete Wissenschaftslandschaft. Bevor dort ein Kooperationsprojekt losgeht, wird der Business Case bestätigt. Förderung vom Staat bedingt vorab die Finanzierungszusage der Privatwirtschaft, Sachleistungen werden nachrangig betrachtet. In den letzten Jahren hat die industrienahe Forschung und Entwicklung erheblich an Bedeutung gewonnen.
Was erwarten die australischen Partner und was versprechen Sie sich von der Zusammenarbeit?
Die australischen Partner sind an gemeinsamen Projekten mit innovativen und wachstumsstarken KMU und Wissenschaftspartnern aus Deutschland interessiert. Deutsche Technologie und deren Transfer besitzen einen hohen Stellenwert. Investitionen zwecks Einstiegs in den deutschen und europäischen Markt stehen ebenfalls auf dem Zettel. T+I Consult plant einen Ausbau der Aktivitäten zur Vorbereitung und erfolgreichen Umsetzung von Kooperationsmodellen zwischen deutschen und australischen Partnern. Für die deutschen KMU ist Australien ein interessanter Markt mit exzellentem Zugang zu den Anrainern in Asien und der Pazifikregion. Nicht umsonst findet das nächste Clustermeeting wieder in Brisbane, Bundesstaat Queensland, Australien statt.
Hintergrund
Seit über 20 Jahren koordiniert und begleitet die T+I Technologie- und Innovations Consult GmbH (T+I) Berlin Unternehmen und Partner der Wissenschaft bei der Vorbereitung und Durchführung von nationalen und internationalen Projekten mit dem Ziel, die Innovations- und Wachstumspotenziale von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) nachhaltig zu stärken. In dieser Zeit hat die T+I mehr als 500 technologie- und innovationsorientierte Akteure aktiv bei der Umsetzung ihrer Vorhaben beraten sowie 20 nationale und internationale Innovationsnetzwerke vorbereitet und erfolgreich betreut. Für KMU und Wissenschaftspartner konnten Finanzierungsmittel mit einem Projektvolumen über 130 Mio. Euro bearbeitet und eingeworben werden. Inzwischen zählt die T+I zu den führenden Initiatoren von internationalen Innovationsnetzwerken mit Partnern aus vier Kontinenten und verfügt über ein umfangreiches Partnernetzwerk.
Zur Person:
Prof. Michael Groß ist Geschäftsführer der T+I Technologie- und Innovations Consult GmbH Berlin. T+I Consult leitet und koordiniert im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz das Programm Lusitza Trans Connect (LuTraCo). LuTraCo vernetzt Lausitzer Akteure aus den Bereichen Land -, Forst- und Ernährungswirtschaft. Das Programm dient der umfassenden Unterstützung des Transformationsprozesses der Lausitz als Braunkohleregion durch spezifische Förderung innovativer und nachhaltiger Produkt- und Verfahrenslösungen zur Stärkung von Kreislaufprozessen in Land-, Gewässer- und Ernährungswirtschaft.
Neue Ausgabe „STARK für die LAUSITZ“
Die Sommerausgabe 2023 des „STARK für die LAUSITZ“-Magazins vom WochenKurier ist kürzlich erst erschienen, da kommt auch schon die Herbstausgabe 2023 „angerauscht“. Dieses Magazin ist von den Leuchtturm-Projekten des Landkreises Spree-Neiße sowie der Städte Forst, Guben und Spremberg geprägt. Natürlich werfen wir aber auch wie immer einen Blick auf aktuelle Entwicklungen in der Oberlausitz. Das alles haben wir unter dem Titel „Wandel durch Innovation“ auf 48 Seiten kompakt dargestellt. Hier geht’s zum kostenfreien E-Paper.
