Ich freue mich, hier mitgestalten zu können
Im Gespräch mit Tim Berndt, neuer Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiative Lausitz
C.M. Schwab
Die Wirtschaftsinitiative Lausitz e.V. (WiL) ist eine regionale Aktions- und Netzwerkplattform aus der Wirtschaft für die Interessen der Wirtschaft in der Lausitz. 2009 von Lausitzer Unternehmen gegründet, engagieren sich heute länder- und branchenübergreifend Firmen, Institutionen, Kammern und Kommunen von Lübbenau bis Zittau in der WiL. Das Hauptanliegen der WiL ist es, den Wirtschaftsstandort Lausitz nachhaltig zu stärken. Die inhaltliche Arbeit orientiert sich dabei an drei thematischen Schwerpunkten, die in konkreten Projekten umgesetzt werden: Regionale Wirtschaftskraft bündeln und vermarkten, Nachwuchs und Fachkräfte qualifizieren und sichern, Forschung und Wirtschaft vernetzen und ausbauen. Im Prozess des Strukturwandels kommt der WiL eine noch größere Bedeutung zu als bisher.
Seit Anfang September hat Tim Berndt die Position des Geschäftsführers der WiL übernommen. Der gebürtige Berliner ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt seit 2005 in der Lausitz. Tim Berndt ist Jurist, arbeitete als Rechtsanwalt und in verschiedenen leitenden Positionen. Er war u.a. Verwaltungsleiter und stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie und Handelskammer Cottbus, Mitglied des Management Boards bei Reinert Logistic und zuletzt als Abteilungsleiter beim Landesamt für Soziales und Verwaltung. „STARK für die LAUSITZ“ sprach mit ihm über seine neuen Aufgaben, Motivation und die Bedeutung der WiL für die Lausitz.

Herr Berndt, was hat Sie dazu veranlasst, sich auf die Stelle als WiL-Geschäftsführer zu bewerben?
Die Aufgabe der WiL in der aktuellen Situation der Lausitz bietet eine hochinteressante Perspektive. In der Lausitz bewegt sich derzeit ganz viel. Die Politik hat die Weichen gestellt, erste Strukturprojekte sind bereits in der Umsetzungsphase, es fließt viel Geld in die Region. Dass sich der Prozess des Strukturwandels so voranschreitet, wurde in der Vergangenheit durch die WiL mitgeprägt. Ich freue mich, hier nun selbst mitgestalten zu können. Im Unterschied zu anderen Regionen, in denen im Rahmen von Strukturwandelprozessen in der Vergangenheit ebenfalls Geld floss, sehe ich in der Lausitz sowohl einen nachhaltigen Ansatz, was die Wirkung dieser Investmittel betrifft. Aber es gibt auch noch Luft nach oben, wo gezielt nachgesteuert werden muss.
Was halten Sie für besonders wichtig beim Strukturwandel?
Dass die Stimme der regionalen Wirtschaft, insbesondere der KMUs, mit ihrem speziellen Bedarf Gehör finden. Dabei muss es nicht immer nur um rein wirtschaftliche Themen gehen. Wirtschaft und Gesellschaft sind voneinander abhängig. Zugleich gilt es, die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Politik und Verwaltung für die notwendige Synchronisierung der Prozesse des Wandels noch weiter zu verbessern. Damit meine ich auch den gezielten Einsatz sowie die unbürokratische Abwicklung von Fördermitteln, u.a. dem Just Transition Fund (JTF) seitens der EU. Ein Strukturwandel, der die Wirtschaft hintenanstellt, funktioniert nicht. Die Unternehmen müssen zum aktiven Teil gehören und mit ihren Möglichkeiten eingebunden und wenn nötig, auch unterstützt werden.
Es gibt viele aktive Institutionen, Verbände und Vereine in der Lausitz, die sich darum zu kümmern scheinen. Was macht die WiL aus?
Die WiL verfolgt einen integrativen Ansatz, um dann mit einer Stimme auf unterschiedlichen Eben für die Interessen der Lausitz zu sprechen. Wir beziehen andere Netzwerke ein, kooperieren mit Kommunen und Unternehmerverbänden, weil wir nach Gemeinsamkeiten suchen. Die WiL ist ein Interessensverein, der die Interessen ihrer Mitglieder an Partner innerhalb der Region, aber auch an Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik außerhalb der Region hinaus heranträgt. Eine Lobby für unsere Mitglieder im besten Sinne: Wir leisten einen Diskussionsbeitrag, der ernstgenommen wird. Es geht hierbei nicht um einzelne Interessen oder eine parteipolitische Ausrichtung.
Zudem arbeitet die WiL als alleiniger Interessensvertreter der Lausitzer Wirtschaft länderübergreifend. Damit folgen wir der Sicht der Unternehmen, die das auch tun und denen es dabei egal ist, ob sie dabei in der südbrandenburgischen oder ostsächsischen Lausitz aktiv sind. Die Ländergrenzen werden erst dann spürbar – häufig schmerzhaft – wenn die jeweilige Bürokratie ins Spiel kommt.
Was sind Ihre Aufgaben als Geschäftsführer?
Ich bin erster „Diener“ der WiL. Ich habe dafür zu sorgen, dass die Interessen der Mitglieder wahrgenommen und nach Möglichkeit zu einer gemeinsamen Stimme gebündelt werden. Das bringt das notwendige Gewicht in die weiteren Diskussionen. Und ich führe die unternehmerischen Geschäfte des Wirtschaftsvereins.
Natürlich werde ich auch eigene Impulse setzen. Besonders liegt mir dabei die länderübergreifende Arbeit und die Bildung einer Marke Lausitz am Herzen.
Warum braucht die Lausitz eine eigene „Marke“?
Der Strukturwandel und die Fachkräftesicherung für die Unternehmen macht es notwendig, dass die Lausitz durch andere wahrgenommen werden. Das sollen zum einen Investoren sein, dass müssen zum anderen aber auch Fachkräfte sein, die sich als Zuzügler oder Rückkehrer in der Lausitz wiederfinden. Bei diesem Werben befinden wir uns in einem Wettbewerb der Regionen. Hier müssen wir uns in vielerlei Belangen besser vermarkten – positive Nachrichten gibt es genug. Es gilt aber auch, einen besonderen eigenständigen Charakter der Region, Alleinstellungsmerkmale, herauszuarbeiten. Wir müssen definieren – womit kann die Lausitz für sich werben? Wie können diese Besonderheiten nach außen, bundes- und ja auch europaweit wahrnehmbarer kommuniziert werden?
Die WiL ist ein Verband regionaler Unternehmen, Kommunen und Verbänden. Was spricht für eine Mitgliedschaft in der WiL?
Die WiL bietet als unabhängiger Verein ein lebendiges Netzwerk. Unsere Mitglieder sind sehr unterschiedlich, was Größe und Strukturen betrifft. Das ermöglicht eine breit gefächerte Sicht sowohl auf die anstehenden Herausforderungen als auch auf deren Lösungswege. Was uns verbindet, sind klare Ziele. Man könnte sagen: Wir sind groß genug, um uns durchzusetzen, aber klein genug, um uns einig zu sein.
Info:
Weitere Beiträge zur wirtschaftlichen Entwicklung in der Region lesen Sie im neuen Printmagazin „STARK für die LAUSITZ“, welches Mitte September erscheint.