Green Areal Lausitz: Industriepark in Jänschwalde wird zum Festival-Gelände *mit Update vom Amtsdirektor Peitz
Auf dem früheren Militärflugplatz Jänschwalde/Drewitz wächst gerade ein Zukunftsprojekt: das Green Areal Lausitz (GRAL). 209 Hektar sollen sich in einen CO₂-neutralen Industriepark verwandeln – mit Flächen für Wind- und Solarstrom, Wasserstoff und nachhaltige Produktion. Investoren wie Hy2gen oder energy4future bringen hunderte Millionen Euro ein, um hier grünes Kerosin, Wasserstoff und Biowärme herzustellen. Projektentwickler Jochem Schöppler nennt GRAL eine „grüne Raffinerie“ – ein Leuchtturm für den Strukturwandel der Lausitz.
Doch bevor die Bagger anrollen, erobert ein Festival die Flächen: Sägewerk genannt. Was als kleine Berliner Bunkerparty begann, ist inzwischen ein ehrenamtlich organisiertes Open Air mit rund 50 Mitstreitern im Kern und hunderten Künstlern und Gästen aus ganz Deutschland. Das Besondere: faire Preise, Do it yourself (DIY)-Spirit, ökologischer Anspruch – und enge Kooperation mit der Region. Foodstände aus Cottbus, der Drewitzer Dorfchor auf der Bühne, Unterstützung durch lokale Unternehmen.
C.M. Schwab
Da entsteht ein Moment, der verbindet
Jochem Schöppler, Projektentwickler GRAL, zeigt sich begeistert vom Festival: „Was hier passiert, erinnert daran, warum wir das Gelände als Green Areal Lausitz neu gedacht haben. Ein Industriepark, grün, innovativ, zukunftsorientiert – und dann lässt man da eine Crew ran, die aus einem Beton-Areal ein gemeinschaftliches Erlebnis baut. Jugendliche aus ganz Deutschland packen mit an, investieren ihre Zeit und Emotion, laden eine Region mit Musik, Kultur und Natur auf. Da entsteht keine reine Industriezone, da entsteht ein Moment. Wenn du außen drauf schaust, denkst du: trostloser Beton. Aber im Inneren wächst ein Ort voller Ideen und Rhythmus. Das ist es, was dieses Projekt wertvoll macht und was es mit unserem wirtschaftlichen Vorhaben verbindet.
Dass das von der Region fast durchweg so positiv aufgenommen wird – und dass wir bei GRAL so etwas mit kleinsten Mitteln unterstützen dürfen – zeigt mir: Manchmal reicht eine Einladung, um ein Areal zu transformieren. Und ich sag’s ehrlich: Es berührt, was die da auf die Beine gestellt haben.“
Die Zukunft des Festivals am Standort ist allerdings begrenzt. 2026 wird es voraussichtlich ein letztes Mal auf dem ehemaligen Flugplatzgelände stattfinden, bevor GRAL in die Bauphase geht. Vielleicht macht das den Zauber aus: ein flüchtiger Moment, in dem Betonpisten zum Spielplatz für Kreativität und Gemeinschaft werden – bevor sie sich endgültig in Industrieflächen der neuen Lausitz verwandeln.
*Update
Norbert Krüger, Amtsdirektor von Peitz sprach sich mit einem Kommentar auf LinkedIn derweil dafür aus, das Festival nach 2026 in der Lausitz nicht sterben zu lassen. Im Wortlaut heiß es:

„Ich konnte mir selbst zwei Tage vor Beginn des Festivals einen Eindruck davon verschaffen, mit welchem Enthusiasmus, mit wieviel positiver Energie und scheinbar grenzenloser Kreativität dieses Event von Juri und seinen vielen Mitstreitern vorbereitet wurde, z.B beim Bau von Bühnen oder von Versorgungseinrichtungen. Deshalb stellt sich die Frage, ob dieses Festival wirklich mit dem erwarteten Baufortschritt in den nächsten Jahren sterben muss, oder ob man in der Umgebung eine äquivalente Location findet, auf der das Sägewerk-Festival fortgesetzt werden kann und sich dadurch zu einem Bestandteil des Kulturlebens der Gegend wird.“ (Zum Kommentar geht es hier.)
Die Freude der Leute ist unbezahlbar: „Coole Vibes”
„STARK für die LAUSITZ“ sprach mit Juri Wertenbruch vom khisdapaze e.V., Trägerverein vom Sägewerk-Festival:
Juri, ihr zieht mit dem Sägewerk-Festival überwiegend viele junge Menschen außerhalb der Lausitz, aus ganz Deutschland an. Aber habt ihr auch die Region eingebunden – Cottbus, Spree-Neiße-Kreis?
Juri Wertenbruch: Auf jeden Fall. Uns war es wichtig, dass nicht nur Berliner Strukturen dominieren, sondern dass wir vor Ort andocken. Die Security kam komplett aus Cottbus, genauso zwei Foodstände, und wir hatten sogar den Drewitzer Dorfchor auf der Bühne. Das war ein Highlight, die Leute waren total begeistert. Wir wollen das im nächsten Jahr unbedingt wiederholen, vielleicht auch mit weiteren regionalen Programmpunkten.
Wie viele Menschen stecken eigentlich in der Orga und im Aufbau?
Der innere Kern sind etwa 50 Leute. Zählt man Ton- und Lichtcrew dazu, kommt man auf rund 100. Und dann noch einmal 300 Künstler, Workshop-Leitende, Performances – also alle, die das Programm mitgestalten. Viele bringen jemanden mit, aber der Grundsatz ist: Wer hier rein will, muss sich engagieren. Das macht die Atmosphäre besonders.
Apropos Atmosphäre: Wie war das Feedback von Besuchern?
Extrem positiv. Wir hören oft, dass es „coole Vibes“ sind – familiär, entspannt, kreativ. Das freut uns sehr, weil es unser Anspruch ist: Ein Festival, das nicht nach Kommerz aussieht, sondern nach Gemeinschaft.
„Wir fühlen uns willkommen“
Und finanziell? Ein Ehrenamtsprojekt ist ja immer ein Risiko.
Klar, wir kalkulieren DIY, aber mit Vorsicht. Dieses Jahr sieht es stabil aus. Wir bleiben bewusst günstig – 2,50 Euro für ein Bier, faire Ticketpreise. Uns nervt, dass vieles in der Szene immer teurer wird. Unser Spirit ist: Kultur für alle, nicht nur für die mit dickem Portemonnaie.
Ihr seid ein Verein. Wie hat sich das entwickelt?
Die Wurzeln liegen in Berliner Raves, Bunkerpartys rund um Oranienburg. 2021 haben wir uns als Verein gegründet – am Anfang sieben Leute. Die Belastung ist hoch, manche stecken bis zu 1.000 Stunden im Jahr rein. Manchmal frage ich mich schon: Warum tun wir uns das an? Aber dann siehst du die Freude der Leute – das ist unbezahlbar.
Und darum tut ihr euch das an?
(lacht) Ja, weil wir was beitragen wollen. Viele Festivals sind kommerziell oder schwer zugänglich. Wir wollten etwas Eigenes schaffen: verspielte Räume, Installationen, eine große Spielwiese. Es macht Spaß, im Kollektiv Ideen zu spinnen. Und wir sehen uns auch in der Verantwortung: Wir wollen weltoffen sein, zeigen, dass die Lausitz auch jung, kreativ und vielfältig sein kann.
Wie kamt ihr auf den Flugplatz in Drewitz?
Das war Zufall. Unsere erste kleine Ausgabe lief 2022 am Rand von Guben, in einem Waldstück. Wir waren zu laut. Der Bürgermeister hat uns dann an Euromovement vermittelt: „Ich kenne da einen Flugplatz.“ Das war die Chance. Hier haben wir Platz, hier können wir legal arbeiten, uns austoben. Ohne das Vertrauen von Euromovement und den Leuten vor Ort ginge es nicht.
Wie ist das Verhältnis zu Anwohnern, Landwirten, Ämtern?
Sehr gut. In Drewitz haben wir beste Kontakte, etwa zur Agrargenossenschaft. Die helfen sogar praktisch mit Maschinen. Auch Euromovement gibt uns enorme Freiheiten. Wir fühlen uns willkommen.
Ein Riesenspielplatz voller Ideen
Und wie geht es weiter?
Wahrscheinlich nur noch einmal hier. Ab 2026 beginnen die Bauarbeiten für das Green Areal Lausitz, dann ist das Kapitel Sägewerk an diesem Ort vorbei. Das macht es auch besonders: ein Festival auf Zeit, ein intensiver Moment, bevor die Flächen sich verändern.
Plant ihr neben dem Festival weitere Projekte?
Ja. Wir haben schon Silvester in einem alten Globetrotter in Berlin gefeiert, mit 2.000 Leuten. Und jetzt steht die große Aufgabe vor uns: Wir haben die Ausschreibung gewonnen, einen Club am Flughafen Tegel zu betreiben. Das wird richtig groß, da müssen wir schauen, wie wir das stemmen.
Letzte Frage: Was bedeutet dir das Sägewerk persönlich?
Es ist ein Spielplatz für Ideen. Hier kann ich mit Freunden träumen, bauen, ausprobieren. Und wenn ich sehe, dass auch Leute aus der Region sagen: „Boah, cool hier, hier passiert was“ – dann weiß ich, warum es sich lohnt.
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