Fürs Hierbleiben begeistern: „Junge Lausitz“ wirbt nun auch in Sachsen um neue Mitglieder

Katrin Demczenko / jas

Die Lausitz hat nur eine Perspektive, wenn die Jugend mitzieht. Das Netzwerk „Junge Lausitz“ hat sich genau das auf die Fahne geschrieben und nach einem erfolgreichen Auftakt in Cottbus nun erstmals in der sächsischen Lausitz um neue Mitstreiter geworben. So gab es Ende Juni ein „Kick-Off“ im Lichthof des Rathauses Hoyerswerda.

Junge Leute haben nach der Schule zwei Möglichkeiten. Entweder sie gestalten ihr Leben in der Lausitz oder sie gehen weg und kommen nur noch auf Besuch in die Heimat. Um möglichst viele Jugendliche für das Hierbleiben zu begeistern und ihnen den Kohleausstieg als Chance näherzubringen, arbeitet seit Anfang 2022 in Cottbus der Verein Junge Lausitz, schilderte der stellvertretende Vorsitzende, Jannis Simons, vor zwei Wochen im Lichthof des Hoyerswerdaer Rathauses.

Die Gruppe will demnächst in Dresden, Berlin und Leipzig mit selbst gestalteten Plakaten für ihre Region werben und im Internet mit positiven Geschichten die immer noch bekannten Vorurteile von vielen Nazis und wenig attraktiven Möglichkeiten der Berufsausbildung und der Freizeitgestaltung entkräften. Der Verein erhebt derzeit keinen Mitgliedsbeitrag und versteht sich als offenes Netzwerk für Jugendliche zwischen 14 und 30 Jahren aus der Brandenburger und der Sächsischen Lausitz.

Im Lichthof des Rathauses bespricht Jannis Simons (2.v.l.) die Perspektiven der Lausitz mit Jugendlichen aus Stadt und Hoyerswerdaer Umland. Foto: Katrin Demczenko

Mit einer Diskussionsrunde im Lichthof startete die Junge Lausitz ihre Mitgliederwerbekampagne in Sachsen. Zehn Interessenten haben an der, vom Jugendstadtrat und der Stadt Hoyerswerda organisierten Veranstaltung, teilgenommen und gemeinsam über Gegenwart und Zukunft der Region nachgedacht.
Eddie Friedrich ist mit 17 Jahren Schulsprecher am Lessing-Gymnasium und seit Kurzem stellvertretender Ortsvorsitzender der FDP Hoyerswerda. Er gestaltet seine Heimat gern mit, denn er will nach dem geplanten Lehramtsstudium zurückkommen. Bei der Umsetzung des Strukturwandels sieht er Verbesserungsbedarf, denn ein Großforschungszentrum werde nicht alle Probleme lösen, meint Eddie.

Jugend erarbeitet einen eigenen Perspektivplan

Ehemalige Kohlekumpel finden dort nicht unbedingt gut bezahlte Jobs, sagt Eddie Friedrich. Er und seine Partei, deren Arbeit wieder erstarken müsse, würden die Steuern senken, damit sich hier mehr Firmen ansiedeln. Der 25-jährige Domenic Ludwig studiert Finanzwirtschaft und will später den Strukturwandel mitgestalten. Als Ortschaftsrat in Zeißig fordert er weniger Bürokratie, damit Verwaltungen schneller auf Wünsche von Bürgern und Firmen reagieren können. Er erzählt auch von seiner ersten Ausbildung bei der LEAG vor einigen Jahren. Die theoretischen Kenntnisse als Mechatroniker konnte er nur in der Berufsschule Forst erwerben, weil sie in der mittleren Lausitz nirgends vermittelt werden.

Künftig könnte ein „Ausbildungscampus Lausitz“ Abhilfe schaffen, von dem nicht nur Studenten, sondern vor allem Lehrlinge profitieren, sagt Jannis Simons. Das ist eine der attraktiven Ideen aus dem Perspektivplan, den die Mitglieder des Netzwerkes Junge Lausitz gerade entwerfen. Für die Freizeitgestaltung der Jugend spielen Vereine eine große Rolle, denn dieses Mittun im eigenen Wohnort unterstützt ihre Suche nach der beruflichen Perspektive in der näheren Umgebung. Wenn der Perspektivplan fertig ist, wird er politischen und anderen Entscheidungsträgern übergeben, weil die Jugend den Ausstieg aus der Kohleverstromung unbedingt mitgestalten muss.

Sarah Stötzner (links) und Diana Karbe von der Stadtverwaltung Hoyerswerda organisierten zusammen mit der Jungen Lausitz und dem Jugendstadtrat den Austausch der engagierten Jugendlichen aus der Region. Foto: Simons

Diana Karbe von der Stadtverwaltung Hoyerswerda findet gut, dass Jugendliche den Strukturwandelprozess kritisch und mit eigenen Ideen begleiten. »Wir wollen als Stadt den Raum öffnen, um mit der Jugend zusammen die Zukunft zu gestalten.« Der Veranstaltungsort ist für junge und ältere Menschen weiter der Lichthof, an dem miteinander und nicht übereinander geredet wird.

Kontakt zur Jungen Lausitz:

E-Mail: kontakt@junge-lausitz.de
instagram.com/jungelausitz

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