<strong>Ein Genossenschaftscampus oder eine Arena in der Drebkauer Innenstadt?</strong>
Ende des vergangenen Jahres lud die Stadt Drebkau interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einem Infoabend ins Bürgerhaus Kausche ein. Dabei ging es um den aktuellen Zustand, viel mehr aber um Perspektiven zur Belebung der Drebkauer Innenstadt. So wurden im Rahmen eines Projektes des Bundes mehrere Bachelorarbeiten erstellt, in denen die Studenten Ideen entwickelten, um die Großgemeinde südlich von Cottbus attraktiver für Leben und Wohnen zu gestalten.
Jannis Simons
Die Drebkauer Innenstadt hat in den letzten beiden Jahrzehnten erheblich an Attraktivität verloren. Viele Einzelhändler haben ihre Geschäfte aus wirtschaftlichen Gründen oder altersbedingt schließen müssen. Der hohe Leerstand bei den Wohnimmobilien hat ebenfalls dazu beigetragen, dass die Innenstadt gerade in den Abendstunden verwaist wirkt. Studierende der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur, ein Fachbereich der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL), griffen diese Problematik als Thema für ihre Bachelorarbeiten auf.
Warum Studierende aus Nordrhein-Westfalen Drebkau zum Thema ihrer Bachelorarbeiten machten
Dass ausgerechnet Studierende aus Nordrhein-Westfalen die rund 6.000-Einwohner-Stadt Drebkau als zentrales Thema für ihre Bachelorarbeiten auswählten, kam durch das Projekt „Kleinstadtakademie“ auf Initiative des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen zustande. Dieses Projekt sollte die Einrichtung einer Kleinstadtakademie ab 2023 vorbereiten, die mit vielfältigen Angeboten den Erfahrungsaustausch, Wissenstransfer und die Vernetzung der Kleinstädte in Deutschland zum Thema Stadtentwicklung fördern sollte. In einer Pilotphase von 2019 bis 2023 wurden mögliche Inhalte und Strukturen »von Kleinstädten, mit Kleinstädten, für Kleinstädte« erprobt und weiterentwickelt. In diesem Rahmen brachte der Dozent Prof. Dr. Klaus Schafmeister, mit dem der Drebkauer Bürgermeister Paul Köhne zufällig auf der Grünen Woche in Berlin ins Gespräch gekommen ist, Studenten des Studiengangs Stadtplanung die Stadt Drebkau nahe. Herausgekommen sind rund ein Dutzend Bachelorarbeiten, die sich um Ideen und Konzeptentwicklung drehen, mit denen die Kleinstadt im Süden Brandenburgs lebendiger werden soll. Alle Potenzialanalysen der Studenten ergaben: Drebkau verfügt über ein tolles touristisches Potenzial. Dafür sprechen die Chancen durch den Strukturwandel in der Lausitz, die Nähe zu Cottbus, den Großstädten Dresden und Berlin, die gute Erreichbarkeit per Bahn und Straße sowie der Gestaltungswille engagierter Bürgerinnen und Bürger in Drebkau.
Im Rahmen der Bachelorarbeiten wurden viele innovative Ideen und Konzepte aufgegriffen und thematisiert. Darunter z.B. die Idee einer Event- und Veranstaltungsfläche als Art „Mini-Arena“ in der Drebkauer Innenstadt. Ein Konzept sah vor, die Autos aus der Innenstadt zu verbannen, sodass Geschäfte Outdoor-Events oder andere Orte der Begegnung schaffen könnten, wie z.B. ein Kinoabend inmitten der Drebkauer Innenstadt.

Ein Genossenschaftscampus für neue Zielgruppen in Drebkau?
Eine besonders interessante Idee stellte Leon Humpert vor. Der 23-Jährige, der im vergangenen Jahr sein Bachelorstudium im Studiengang Stadtplanung erfolgreich abschloss, kam extra aus Münster angereist, um seine Bachelorarbeit live vor Ort im Bürgerhaus Kausche vorzustellen. Sein Thema der Arbeit lautete: „CampUS Living – Wie der Trend New Work eine neue Zukunftsperspektive für die schrumpfende Kleinstadt Drebkau aufzeigt“. Bei seiner Vorstellung machte Leon Humpert deutlich, dass Homeoffice und das Arbeiten „im Grünen“ insbesondere durch die Corona-Pandemie extrem an Bedeutung gewonnen haben. Auch nach der Pandemie werden voraussichtlich viele der Beschäftigten zumindest zeitweise im Homeoffice arbeiten, wodurch viel Zeit zum täglichen Pendeln zur Arbeit eingespart werden kann.
Dadurch bleibt mehr Zeit für andere (ehrenamtliche) Aktivitäten am Wohnort. Dies ist seiner Ansicht nach sowohl eine Chance als auch eine zentrale Voraussetzung für eine lebendigere Innenstadt Drebkaus, denn nur wenn die Menschen auch tagsüber die Angebote in der Stadt wahrnehmen können, können sich beispielsweise abwechslungsreiche Gastronomieangebote in der Innenstadt Drebkaus dauerhaft etablieren. Auch Nachbarschaftskontakte können sich auf diese Weise intensiveren oder auch das Work-Life-Blending, womit die Vermischung zwischen beruflichen und privaten Belangen gemeint ist, etablieren. Die fußläufige Nähe vom Bahnhof zur Innenstadt sei ideal, ebenso das Grundschule und Kindergarten im Stadtzentrum liegen. Von dort gelange man auch super schnell in die Natur. Das Feuchtgebiet mit dem integrierten Lehrpfad, direkt hinter der Schule gelegen, biete einen tollen Freiraum, fasste Leon Humpert die Standortortvorteile zusammen. Es fehlen jedoch Fußwegeverbindungen und das Radwegenetz ist bis dato schlecht ausgebaut.
Besonders intensiv beschäftigte sich der Münsteraner mit der Idee und dem Konzept eines „Genossenschaftscampus“ in der Drebkauer Innenstadt. Doch was hat es damit auf sich? Kurz gesagt: „Ein Ort, der strategisch gut gelegen ist und einen positiven Effekt auf die Kern-/Innenstadt entfaltet“, so der Bachelor-Absolvent. Die Frage, die er sich dahinter stellte: Wie bekommt man junge Leute dazu, die vermehrt von zu Hause arbeiten, sich in Drebkau niederzulassen und was braucht es dazu? Seine Antwort: „Orte, wo die Leute arbeiten können, sogenannte Co-Working-Spaces, die im Idealfall in der Nähe eines Bahnhofes verortet sind. (Eine solche Konzeptidee wird bereits von Björn Burow direkt im am Drebkauer Bahnhof verfolgt.) Drebkau dürfe nicht nur als „Schlafstadt“ genutzt werden, wobei die Menschen tagsüber in der nächsten Großstadt arbeiten. „So kann keine Gastronomie überleben“, sagte Humpert und ergänzt: „Man müsse Infrastruktur für neue Zielgruppen schaffen. Dazu zählen auch neue Wohnformen, multifunktionale Räume für Vereine, Räume für Gastroeinrichtungen – das alles und noch viel mehr könne ein großer Genossenschaftscampus beinhalten. Die Antwort auf die Frage, wie so ein Campus finanziert werden könne, trage die Idee schon in sich. Eventuell über eine Genossenschaft und/oder eine Stiftung als Trägermodell, in der sich Menschen einbringen können, die in Drebkau etwas bewirken wollen. Es reiche nicht nur, ein leerstehendes Gebäude als Co-Working-Space zu schaffen, ohne eine entsprechende Strategie dahinter, wer, wie wann damit angesprochen werden soll, äußerte Leon Humpert abschließend. Inwiefern die Ideen dieser und der anderen Bachelorarbeiten umgesetzt werden können, bleibt abzuwarten. Es sei jedoch beabsichtigt, das bisher Erarbeitete zu nutzen und mithilfe von Fördermittelakquise verschiedene Ideen der Bachelorarbeiten aufzugreifen, so der Drebkauer Bürgermeister. Auch mit Prof. Dr. Schafmeister von der TH OWL solle weiter an der Belebung der Innenstadt gearbeitet werden.
AG Innenstadt will erste Projekte auf den Weg bringen
Der Drebkauer Bürgermeister freute sich über den informativen Vortragsabend, der auch von einigen Drebkauer Bürgern interessiert angenommen wurde: „Die Vorstellung der Bachelorarbeiten hat gezeigt, dass es mit kreativen Ideen möglich ist, Innenstädte in Kleinstädten wie Drebkau für Wohnen und Arbeiten attraktiv zu gestalten. Den anwesenden Bürgern hat die Veranstaltung gezeigt, dass wir in einer lebenswerten Stadt mit Potenzial und Perspektiven leben. Ziel muss es jetzt sein, dieses Potenzial zu heben und an der Realisierung der Perspektiven zu arbeiten. Dazu bedarf es nicht nur Arbeit des Bürgermeisters und der Verwaltung, sondern ganz besonders das Engagement der Bürgerinnen und Bürger“, so Köhne.

Dafür gibt es z.B. schon die AG Innenstadt, die vor ca. zwei Jahren ins Leben gerufen wurde. Diese diente zunächst der Vorbereitung auf die Teilnahme am Stadtmarketingwettbewerb der Industrie- und Handelskammer Cottbus. In der Corona-Zeit passierte dann erst einmal nichts. Im Herbst des vergangenen Jahres wurde die AG Innenstadt wiederbelebt und es konnten weitere Bürgerinnen und Bürger gewonnen werden. Sie soll sich nun zwei bis vier Mal im Jahr treffen und eine Beteiligungsebene zwischen Verwaltung und Bürger und Bürgerinnen bilden. Zu Beginn des neuen Jahres trifft sich die AG wieder, wobei dann erste Projekte (Straßenverkehr, Verbesserung Radverkehrssituation, Verschönerung der Innenstadt etc.) konkret angegangen werden sollen. Die aktuellen Einwohnerzahlen von Drebkau lassen zumindest schon positiv stimmen. Erstmals seit 2016 stieg die Bevölkerungszahl der südbrandenburgischen Kleinstadt wieder, wobei diese Zahl alle umliegenden Ortsteile umfasst.