Cottbusverkehr bekommt 36 Millionen Euro für den Ausbau der Straßenbahninfrastruktur – Davon könnte auch die Gemeinde Kolkwitz profitieren
Das Straßenbahnnetz der „Lausitz-Metropole“ Cottbus wird im Rahmen der Strukturstärkung in Folge des Kohleausstiegs ausgebaut. Zunächst wird die Cottbusverkehr GmbH bei der Anschaffung von 15 neuen Straßenbahnen unterstützt. Wird im Zuge dessen auch die Großgemeinde Kolkwitz an das Tramnetz angeschlossen werden?
pm / Jannis Simons
Rund 36 Millionen Euro aus der Strukturförderung für die Lausitz bekam heute die Cottbusverkehr GmbH für die Verbesserung ihrer Straßenbahn-Infrastruktur. Den Zuwendungsbescheid übergab der Lausitzbeauftragte des Ministerpräsidenten, Dr. Klaus Freytag, am heutigen Vormittag an Cottbusverkehr-Geschäftsführer Ralf Thalmann. Dr. Freytag betonte: „Der Ausbau des ÖPNV ist ein zentraler Bestandteil der Strukturentwicklung in der Lausitz. Ein weiterer Pluspunkt für die Lausitz, um ihren Bürgerinnen und Bürgern sehr gute Lebens- und Arbeitsbedingungen zu bieten. Mit dem Ausbau des Straßenbahnnetzes stellen wir wichtige Weichen für die Zukunft: Schnelle, einfache und noch dazu klimafreundliche Wege für unsere Lausitzer! Es freut uns sehr, in den nächsten vier Jahren entscheidend die Mobilität der Bürger zu verbessern. Mit der künftigen ‚Wissenschaftslinie‘ kann eine wichtige verkehrliche Verflechtung geschaffen werden.” Vor allem vom Cottbuser Hauptbahnhof sollen die Menschen in hoher Taktfrequenz schnell ‚von A nach B‘ kommen.

Foto: Simons
Insgesamt soll das Straßenbahnnetz der Cottbusverkehr GmbH in vier Schritten erweitert und optimiert werden. Geplant ist dabei auch der Anschluss der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) und des Lausitz Science Park (LSP). Die Anbindung an das bestehende Nahverkehrsnetz soll eine moderne und klimafreundliche Ausrichtung der Region unterstützen und die Pendlerströme optimieren. So soll die geplante Verknüpfung des Carl-Thiem-Klinikums mit dem Standort BTU / LSP den Pendlern zu den Vorlesungszeiten an der BTU oder den Schichtarbeitszeiten im Klinikum einen Trambetrieb im Fünf-Minuten-Takt bieten. Mit den jetzt geförderten 15 neuen Straßenbahnen – Gesamtinvestition rund 38,75 Millionen Euro – wird Cottbusverkehr zunächst das vorhandene ÖPNV-Angebot verdichten. Ein Zehn-Minuten Takt auf allen Linien soll nutzerfreundliche, kurze Reisezeiten ermöglichen. Ralf Thalmann, Geschäftsführer von Cottbusverkehr verspricht zudem neue Straßenbahnen mit höherem Fahrgastkomfort. Dazu gehöre zum Beispiel mehr Platz für Rollstühle und Kinderwagen. Auch die Klimatisierung werde sich in den neuen Bahnen verbessern.
„Mit den Fördermitteln wollen wir aber vor allem die künftigen Strukturwandelstandorte miteinander verbinden und damit die Wege zwischen Wohnen und Arbeiten mit unserem öffentlichen Nahverkehrsangebot deutlich verbessern“, sagte Thalmann dem WochenKurier. 2024 werden die ersten neuen Straßenbahnen erwartet.
Wird die Großgemeinde Kolkwitz an das Cottbuser Straßenbahnnetz angeschlossen?
Die Großgemeinde Kolkwitz verzeichnet durch die Nähe zur BTU und dem LSP ein beständiges Wachstum. Eine Studie zur Netzerweiterung (Gesamtkosten rund 100.000 Euro), die auch mit dem heutigen Förderbescheid finanziert werden soll, soll klären, wie sich die Verkehrsbedarfe entwickeln und ob die Verlängerung der Neubaustrecke BTU/LSP in Richtung Kolkwitz eine ökologisch und ökonomisch vorteilhafte Option darstellt. Ab 2026 könnte die sich aus der Studie ergebende Vorzugsvariante planerisch und baulich umgesetzt werden.

Hintergrund: Strukturstärkungsgesetz des Bundes
Die Strukturentwicklung in der Lausitz mit dem geplanten Ausstieg aus der Braunkohle wird über das Strukturstärkungsgesetz des Bundes forciert. Geld wird über zwei Förderarme ausgereicht. Mit Arm 1 stehen dem Land Finanzhilfen in Höhe von 3,6 Milliarden Euro zur eigenen Verwendung zur Verfügung. Diese Bundesförderung setzt das Land über sein „Lausitzprogramm 2038“ und auf der Grundlage eines von der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH (WRL) moderierten Werkstattprozesses ein. Der heute übergebene Scheck stammt aus diesem Budget. Mit Arm 2 schiebt der Bund in eigener Regie Projekte für die Lausitz an. Dazu stehen bis 2038 mehr als 6,7 Milliarden Euro bereit. Dabei geht es um Projekte wie das ICE-Werk und das Innovationszentrum Universitätsmedizin Cottbus, den Lausitz Science Park, die Technologieinitiative Hybrid Elektrisches Fliegen oder um wichtige Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen.
Weitere Begriffs- und Fördererklärungen im Rahmen des Strukturwandels unter: https://stark-fuer-lausitz.de/1×1-des-strukturwandels/