Blutproben per Drohne? Wie eine Forschungsgesellschaft das Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus zu einem digitalen Leitkrankenhaus entwickelt

Die Thiem-Research (TRS) GmbH ist eine gemeinnützige Forschungsgesellschaft, die als 100%-ige Tochter des Carl-Thiem-Klinikums (CTK) alle Forschungsaktivitäten bündelt. Das CTK will sich mit ihrer Expertise zu einer national und international anerkannten Forschungseinrichtung etablieren, die neue wissenschaftliche Erkenntnisse entwickelt, erprobt und deren Umsetzung in die Regelversorgung begleitet. Wie soll das gelingen und wie kann das den Strukturwandel in der Lausitz befördern?

Jannis Simons

Obwohl die Thiem-Research-Forschungsgesellschaft (TRS) noch keinen Cent an Strukturfördermitteln gesehen hat, will das 23-köpfige Team die Strukturentwicklung in der Region mit ihrer Expertise weiter vorantreiben. Doch was gehört zu ihren Aufgaben? Kurz gesagt: Diese Forschungseinrichtung macht all das, was über die reine Medizin hinausgeht. Dr. Ing. Steffen Ortmann, Leiter der Thiem-Research GmbH: „Wir machen alles, was Mediziner zusätzlich brauchen, um zu forschen.“ Dazu zählen u.a. Digitalisierungsmaßnahmen, das Entwickeln von Technologien, Fördermanagement, das Aufsetzen von Studien, das Stellen von Ethikanträgen oder das Abarbeiten von rechtlichen Fragestellungen. Beispielsweise werde schon der Einsatz von Datenbrillen mit Sprachsteuerung erforscht. So könnten Spezialisten von überall her zum Patienten zugeschaltet werden oder einfach ganz schnell eine Zweitmeinung eingeholt werden. Ziel sei es, diese Technik irgendwann in Operationsabläufen u.Ä. auszubreiten.

CTK deutschlandweit bekannt machen

Das große Ziel: Das CTK auf der deutschen Forschungslandkarte bekannt machen. Dabei setzt das Team von TRS auch auf Kooperationen, wie bspw. mit der Charité – Universitätsmedizin in Berlin. Das Team besteht u.a. aus IT-lern, Medizintechnikern, Projektmanagern, Physiologen. Es sei jedoch eine große Herausforderung, neues Personal aus dem IT-Bereich zu finden, dass medizinische Informatik beherrsche, so Romy Hoppe, die für Projektmanagement und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Anders als bestehende Uni-Medizin-Einrichtungen soll sich das CTK zukünftig als Leitkrankenhaus in Sachen „Gesundheitssystemforschung“ entwickeln. Wie sehen Versorgungsprozesse von morgen aus, sollten bestimmte Sektoren zukünftig getrennt werden oder nicht, Gesundheitstechnologien und Gefäßmedizin – das alles sind alles wichtige Fragen und Themen, die die TRS in den nächsten Jahren erforschen und mit innovativen Lösungsansätzen beantworten soll. 

All diese Fachbegriffe gehören zum breiten Aufgabenspektrum der Thiem-Research GmbH.
Grafik: Thiem-Research GmbH

Vor zweieinhalb Jahren habe man angefangen, ein Datenintegrationszentrum mit anderen Kliniken aufzubauen. Das sogenannte HiGHmed-Konsortium bündelt und integriert Kompetenzen von acht Universitätskliniken und medizinischen Fakultäten sowie weiteren Partnern aus Wissenschaft und Industrie mit dem Ziel, innovative Informationsinfrastrukturen zu entwickeln und so einen schnelleren Transfer von Ergebnissen aus der Forschung in die klinische Praxis zu ermöglichen. Die TRS wurde dadurch quasi „geboren“. Jede Unimedizin baue gerade so ein Informationszentrum auf, auf das interne und externe Forschergruppen auch jederzeit zurückgreifen können. Es gilt ebenso als Blaupause, damit zukünftig Krankenhäuser enger vernetzt werden, um alle Daten des jeweiligen Patienten schnell zur Hand zu haben und ihn bestmöglich versorgen zu können.

Unimedizin als treibende Wirtschaftskraft

Die geplante Unimedizin in Cottbus soll dabei ein treibender Wirtschaftsfaktor für die gesamte Lausitz werden. Für jeden Euro, der in eine Unimedizin investiert wird, bekomme die umliegende Region laut einer Studie um das 2,5-Fache an Wirtschaftskraft zurück. Als gutes Beispiel dient hier Heidelberg. „Eine Unimedizin zieht einfach viel Zulieferindustrie an“, ist sich Dr. Ortmann sicher. Bis der Traum von der Medizinerausbildung in Cottbus aber tatsächlich gelebt wird, sei es noch ein längerer Prozess. In Augsburg habe es beispielsweise acht Jahre gedauert. Doch das Team der TRS arbeitet schon jetzt mit Hochdruck daran, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen.

Wenn die Unimedizin tatsächlich Realität wird, steht mit der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) ein starker Wissenschaftspartner bereit. Schon jetzt ist TRS Mitglied des Innovationscampus Elektronik und Mikrosensorik Cottbus (kurz: iCampus) – eine Forschungskooperation zum Thema Mikrosensorik. Ziel sei es in diesem Verbund, Produkte im Bereich der Mikrosensorik und Digitalisierung gemeinsam mit kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Lausitz zu etablieren. Das TRS entwickelt mithilfe dieses Netzwerkes bereits neue Gesundheitstechnologien und Medizintechniken.

Ländliche medizinische Versorgung verbessern mithilfe von „com(m)2020“

Eng verknüpft ist die TRS mit dem Aufbau der geplanten „Modellregion Gesundheit Lausitz“. Die Lausitz soll eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung einer zukunftsweisenden und wohnortnahen Gesundheitsversorgung auf hohem Niveau für eine ländlich geprägte Region einnehmen. Innerhalb der TRS-Forschungsgesellschaft ist mit dem Bündnis „com(m)2020 – Kommunale Innovationen für die Versorgung in ländlichen Räumen“ eine Vorläuferstruktur für die Modellregion geschaffen worden. Den Einsatz von Apps und mobilen EKGs, aber auch neue Logistik-Konzepte erforscht dieses Bündnis zum Beispiel. Patienten mit einem Drohnen-Taxi verlegen oder einfach nur Blutproben mit der Drohne „verschicken“ – das alles seien schon längst keine Utopien mehr, sondern ernsthafte Zukunftstechnologien, die teilweise in den Startlöchern stehen. „Solche Projekte versuchen wir anzuschieben und erfolgreich abschließen. Die Mediziner sind derzeit zu stark in der Versorgung gebunden, um solche Dinge voranzutreiben. Das wird mit einer Unimedizin natürlich deutlich besser“, erklärt der Leiter der Thiem-Research GmbH, Dr. Ing. Steffen Ortmann.

Netzwerktreffen in Forst

Das „com(m) 2020“-Team veranstaltet am 20. September ein Bündnistreffen in der Modellkommune Forst. Dort wolle man mit Bündnispartnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und engagierten Kommunen ins Gespräch kommen, um weitere Ideen zu entwickeln und zu diskutieren. „Die Sichtbarkeit dieser Forschungsgesellschaft als Marke mit enormer Bedeutung für die Region ist sehr wichtig. Dafür entwickeln auch wir als TRS uns ständig weiter und suchen immer wieder Menschen mit geeigneten Kompetenzen“, so Romy Hoppe.

Falls auch Sie Interesse haben, an dem Treffen teilzunehmen, kontaktieren Sie gern Frau R. Hoppe unter der 0355/46 3862 oder per E-Mail: r.hoppe@ctk.de.

Innerhalb der TRS-Forschungsgesellschaft des Carl-Thiem-Klinikums Cottbus ist das Bündnis „com(m)2020“ für die Entwicklung neuer Innovationen für die Versorgung in ländlichen Räumen zuständig. V.l.n.r.: Dr. Franziska König, Romy Hoppe, Bärbel Rademacher
Grafik: Thiem-Research-GmbH / CTK / com(m)2020“ / mlh

Mehr Informationen unter: www.thiem-research.ctk.de

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