Blick der Wissenschaftswelt richtet sich auf die Lausitz – Deutsches Zentrum für Astrophysik macht sich in der Region bekannt
In der Oberlausitz entsteht bis 2026 das Deutsche Zentrum für Astrophysik (DZA). Ein Teil des Projektteams zog kürzlich ins Alte Rathaus nach Hoyerswerda, während bei einem Business-Frühstück in Löbau die ersten Pläne vorgestellt wurden. Was hat das DZA vor und welche beruflichen Perspektiven bietet es für die Zukunft?
tok / Katrin Demczenko
Das Business-Frühstücks des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) Ende Februar in Löbau erzeugte großes Interesse. Rund 50 Gäste verschiedener Unternehmen und Institutionen kamen zusammen, um die Pläne des Deutschen Zentrums für Astrophysik (DZA) aus erster Hand zu erfahren. Das Zentrum soll an zwei Standorten in der Oberlausitz, einer im Landkreis Bautzen und einer im Landkreis Görlitz, angesiedelt werden. Prof. Dr. Christian Stegmann (Direktor für Astroteilchenphysik, Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY) stand den Anwesenden an diesem Morgen Rede und Antwort.
»Wir sind der langfristige Strukturwandel, es wird Jahre dauern, das Zentrum aufzubauen«, sagte Prof. Stegmann. »Aber wir kommen auch, um zu bleiben.« Rund 1000 Mitarbeiter sollen einmal an den beiden Standorten arbeiten. Ein Standort wird in Görlitz liegen, der andere im Landkreis Bautzen zwischen Hoyerswerda, Kamenz und Bautzen. Das jährliche Budget soll rund 170 Millionen Euro betragen. Etwa 35 Prozent der Angestellten werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sein. Der Rest entfällt auf verschiedenste Branchen von Verwaltung bis Handwerk. So wird das DZA beispielsweise auch eine eigene Schreinerei bekommen. Dazu rechnet man mit weiteren 3000 Arbeitsplätzen im Umfeld des Forschungszentrums. Das das alles nicht von heute auf morgen passieren kann, scheint klar. Momentan laufe die dreijährige Planungsphase, 2026 soll das Zentrum gegründet werden und der Aufbau beginnen. Anfang der 2030er könnten dann bereits 1000 Mitarbeiter angestellt sein. Auch die geschätzten 3000 Jobs im Umfeld werden sehr wahrscheinlich nicht vom einen auf den anderen Tag geschaffen werden können. Es braucht Zeit, dass so ein großes Projekt wachsen kann. Dass so ein Vorhaben aber funktionieren kann, haben andere Standorte schon nachgewiesen. Beispielsweise am Forschungscampus in Garching in München, am CERN (die Europäische Organisation für Kernforschung) als Großforschungseinrichtung nahe Genf und am Lunar and Planetary Laboratory (ein Forschungszentrum für Planetologie) in Tucson in den USA.

Aus der Astronomie: WLAN, Ceran und Gleitsichtgläser
Bewirkt hat das DZA bereits, dass sich der Blick der Wissenschaftswelt auf die gesamte Lausitz richtet. Und das wird in den kommenden Jahren zunehmen. Ein Beispiel: Ein zentrales Forschungsgebiet des DZA ist die Datenverarbeitung. In der Astrophysik fallen riesige Datenmengen an. Derzeit entsteht in Australien und Südafrika ein großes Radioobservatorium. »Das wird schon sehr bald mehr Daten erzeugen als das heutige Internet weltweit«, sagt Prof. Christian Stegmann. Deswegen müssen neue, energiesparende Speichermethoden ebenso her wie Sensorik, die schon zuvor ermitteln, welche Daten überhaupt gespeichert werden müssen.
Technologien, die später auch außerhalb der Astrophysik eingesetzt werden können. Das hat in der Praxis schon häufig funktioniert: WLAN kommt aus der Radioastronomie, Gleitsichtgläser aus der Röntgenastronomie und Ceranplatten wurden in der optischen Astronomie entwickelt, weil man thermisch stabiles Material für Spiegel brauchte.
Können regionale Unternehmen davon profitieren?
Das Großforschungszentrum mit seinem Hauptstandort in Görlitz will die Digitalisierung voranbringen und Technologien entwickeln, von denen auch hiesige Firmen profitieren sollen, erklärt Prof. Stegmann. Schließlich brauchen die Menschen in der Lausitz eine tragfähige wirtschaftliche Perspektive für die Zeit nach der Kohle. Profitieren können Unternehmen aber nicht nur durch neue Technologien, denn zunächst muss das DZA erst gebaut werden. Bund und Länder wollen bis 2038 insgesamt weit über eine Milliarde Euro in dieses Projekt investieren. Investieren wird das DZA wiederum in Kooperationen mit Unternehmen und in die Bildung, um junge Menschen für die Wissenschaften zu begeistern und sie hier in der Region vor Ort auszubilden. Wenn das gelingt, müssen sie dann nicht mehr nach Garching, Genf oder Tuscon, sondern finden in der Lausitz einen Job. Unternehmen, auch regionale, sollen außerdem die Möglichkeit bekommen, die Infrastruktur des Zentrums zu nutzen, um Dinge auszuprobieren und sich weiterzuentwickeln. »Das DZA wird offen sein, wir wollen da keinen Zaun drum herum ziehen«, sagt Christian Stegmann.
»Ein kleiner Schritt für große Geschichte«
Seit Mitte März arbeiten schon zwei Mitarbeiterinnen des Deutschen Elektronen Synchrotron DESY Zeuthen im Rathaus Hoyerswerda (Landkreis Bautzen). Dort informieren sie die Bevölkerung sowie Lausitzer Firmen über die Arbeit des 2026 zu gründenden Deutschen Zentrums für Astrophysik. Bald schon sollen zwei weitere Mitarbeiter hinzukommen.
Für Prof. Christian Stegmann ist dieser Beginn im Hoyerswerdaer Rathaus »ein kleiner Schritt für eine große Geschichte«. Jetzt müssen seine Mitarbeiter den exakten Standort für das unterirdische Labor mit 100 Arbeitsplätzen ermitteln, das in dem großen Granitblock unter Cunnewitz bei Ralbitz-Rosenthal entsteht. Die Wissenschaftler werden dort Gravitationswellen erforschen, Schwankungen der Raumzeit messen und andere astrophysikalische Untersuchungen durchführen. Dabei erhalten sie Unterstützung durch technisches Personal.

Astrophysik »zum Anfassen«
Anschließend sprach Projektleiterin Katharina Henjes-Kunst von der Vorbereitung der Roadshow »Universe on Tour« des Wissenschaftsjahres »Unser Universum«, die vom 24. bis 31. Mai mit einem mobilen Planetarium und einer Ausstellung Hoyerswerda besucht. Alle Interessenten können sich dann über das Universum und die Arbeit von Astrowissenschaftlern informieren. Begleitend finden Vorträge in Kooperation mit Sternwarten statt. Die Physikerin Maria Krause, die aus Hoyerswerda stammt, will Schulen für das Thema Astrophysik sensibilisieren, denn für einige Jugendliche könnte die Arbeit am DZA eine berufliche Option werden.
Mehr Informationen unter: https://www.deutscheszentrumastrophysik.de/de