Alle Zeichen auf Zukunft: Wie die Brandenburger Förderbank ILB die Transformation in der Lausitz unterstützt
Ulrich Scheppan, geboren in Elsterwerda im Landkreis Elbe-Elster, ist seit Mai 2024 Vorsitzender des Vorstandes der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB). In der Frühjahrsausgabe unseres STARK für die LAUSITZ-Magazins sprach er mit uns über die Aufgabenschwerpunkte der ILB im Transformationsprozess der Lausitz, zog eine kurze Bilanz und gab Einblicke, welche Angebote seitens der Förderbank den Unternehmen in Brandenburg zusätzlich bereitstehen.
Aus der Frühjahrsausgabe des STARK für die LAUSITZ-Magazins 2025
Herr Scheppan, der Infrastrukturausbau in der Lausitz hat in den letzten Jahren stark von öffentlichen Fördermitteln profitiert. Können Sie eine kurze Bilanz für uns ziehen?
Die Bilanz fällt eindeutig positiv aus. Ich denke, die Politik hat gezeigt, dass sie die Unterstützung der Transformation einer großen Energieregion wie der Lausitz ernst nimmt. Dafür gibt es seit 2020 das Strukturstärkungsgesetz des Bundes. Aus diesem sollen bis 2038 insgesamt 3,6 Milliarden Euro für Brandenburg zur Verfügung gestellt werden. Aktuell haben wir bereits 42 große, infrastrukturelle Vorhaben darüber gefördert und rund 530 Millionen Euro für die Lausitz zugesagt. 300 Millionen Euro davon alleine im Jahr 2024.
Die Investitionen, die damit angestoßen werden, setzen nicht nur wichtige Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung der Region, sondern werden auch die Lebensqualität vor Ort nachhaltig verbessern. Die Fördermittel tragen unter anderem dazu bei, wirtschaftsnahe Infrastrukturen zu modernisieren, digitale Infrastruktur auszubauen und Ausbildungs- sowie Forschungseinrichtungen zu stärken. Gerade in einer Region, die sich im Strukturwandel befindet, sind solche gezielten Investitionen essenziell, um Zukunftsperspektiven zu schaffen – für die Menschen, die hier leben und für Unternehmen, die hier investieren wollen.
Der Ausbau der vorhandenen Infrastruktur ist ohne Zweifel wichtig, aber das Thema liegt ja vor allem in kommunaler Hand. Wie steht es denn um die Unternehmen vor Ort?
In der Tat sind gesunde und zukunftsfähige Unternehmen eine ebenso elementare Voraussetzung für einen gelingenden Strukturwandel. Daher bin ich sehr froh, dass wir die Firmen in der Region seit 2023 auch gesondert unterstützen können. Dafür hat die Europäische Union den Just Transition Fund (JTF) ins Leben gerufen – den Fonds für einen gerechten Übergang. Er ist ein zentraler Baustein der europäischen Strukturpolitik in Regionen, die sich im Wandel hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft befinden – so auch in der Lausitz. Ziel des Fonds ist es, die möglicherweise negativen Folgen dieses Überganges wirtschaftlich abzufedern. Es geht darum, den Strukturwandel nicht nur zu begleiten, sondern aktiv zu gestalten – mit Investitionen in Innovation, in neue Arbeitsplätze und in die Qualifizierung der Menschen vor Ort.
Die ILB ist in der Umsetzung der JTF Unternehmensförderung ein wichtiger Partner. Wir sorgen dafür, dass die Mittel zielgerichtet dort ankommen, wo sie den größten Mehrwert stiften: in der regionalen Wirtschaft, im Mittelstand und in zukunftsfähigen Projekten. Dafür haben wir 2024 über 100 Millionen Euro für knapp 300 Fördervorhaben zugesagt. Und auch im ersten Quartal 2025 haben wir bereits weitere 10 Millionen Euro bewilligt. Das Programm wird sehr gut nachgefragt, der Bedarf der Unternehmen ist groß. Das liegt auch daran, dass wir Förderprojekte im JTF mit bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschussen können. Außerdem können wir so Branchen unterstützen, die in anderen Programmen nicht förderfähig wären – wie z. B. Gastronomie, Einzelhandel und Bauunternehmen in der Lausitz. Eine tolle Möglichkeit für die regionalen Firmen.
In Cottbus gibt es seit geraumer Zeit ein „Lausitz-Büro“ der ILB. Wie wird die Beratungsstelle in der Lausitz vor Ort bislang angenommen?
Die Resonanz auf unser Lausitz-Büro in Cottbus ist sehr erfreulich. Wir spüren deutlich, wie groß der Bedarf an persönlichem Austausch vor Ort ist – gerade in der Peripherie. Unser Lausitz-Büro fungiert als wichtige Anlaufstelle für kommunale Akteure und Institutionen, die Fördermöglichkeiten prüfen und Projekte voranbringen wollen. Die Zusammenarbeit mit wichtigen Partnern wie der IHK und HWK, der Gründerwerkstatt Zukunft Lausitz und natürlich der Wirtschaftsregion Lausitz funktioniert dabei exzellent. Unser Team ist eng mit den regionalen Akteuren vernetzt, kennt die Herausforderungen vor Ort und kann somit Projekte vom ersten Gespräch bis zur erfolgreichen Umsetzung begleiten. Diese Nähe zum Geschehen ist uns wichtig – denn Strukturwandel gelingt nur im gemeinsamen Dialog.
Lösungen „von der Stange“ haben ausgedient
Der Übergang zur Klimaneutralität hat auch direkt mit der Energiewende und einem Übergang zu nachhaltigen Geschäftsmodellen zu tun. Mit welchen Angeboten kann die ILB hier zusätzlich unterstützen?
In der Tat ist das Streben nach Klimaneutralität ein Thema, das nicht nur eine Energieregion wie die Lausitz betrifft, sondern das gesamte Flächenland Brandenburg. Die Landesregierung hat sich vorgenommen, bis spätestens 2045 klimaneutral zu wirtschaften und zu leben. Daher müssen diese Themen vor allem auch auf politischer Ebene verhandelt werden. Für die weitere Ertüchtigung unserer Infrastruktur für die Energiewende, die auch außerhalb der Lausitz viele Milliarden Euro an Investitionen erfordern wird, steht unter anderem die Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW-G) zur Verfügung. Aber natürlich sind auch die Bemühungen der Unternehmen selbst entscheidend. Für diese bieten wir zum Beispiel den BIG Digital sowie unsere Zuschuss-Programme zur Förderung von Investitionen in Energieeffizienz und Erneuerbare Energien an. Die beiden Energieprogramme sind im vergangenen Jahr gestartet und stehen den mittelständischen Unternehmen in Brandenburg mit attraktiven Möglichkeiten zur Verfügung.
Ansonsten stellen wir einen zunehmenden Beratungsbedarf unserer Kundinnen und Kunden in Bezug auf individuelle Finanzierungmodelle fest. Je nach Fall kann dann auch mal eine Kombination aus Zuschuss und Darlehen sinnvoll sein. Lösungen „von der Stange“ haben nach unseren Beobachtungen jedenfalls ausgedient.
Wie erreicht man die ILB in den brandenburgischen Landkreisen und in Cottbus am besten, wenn eine Fördermittelberatung gewünscht ist?
Wir verstehen die ILB als verlässliche Partnerin für Investitionen in Brandenburg. Eine gute Beratung ist dafür essenziell. Schließlich soll jede gute Idee die Förderung oder Finanzierung erhalten, die zu ihr passt. Dafür sind wir stets digital, telefonisch und vor Ort erreichbar. Unser Förderberatungs-Team bietet in allen Landkreisen regelmäßige Sprechtage an, bei denen Anliegen direkt vor Ort geklärt werden können. Darüber hinaus sind unsere Online-Angebote umfassend ausgebaut: Über unsere Website lassen sich Beratungstermine unkompliziert vereinbaren, alle Förderinformationen stehen grundsätzlich digital zur Verfügung. Unser Anspruch ist es, den Zugang zu Fördermitteln so einfach und transparent wie möglich zu gestalten – denn letztlich hilft jede gute Idee dabei, die Zukunft unseres Landes zu gestalten.
Strukturentwicklung Lausitz
Ziel:
Förderung des wirtschaftlichen Wachstums zur Bewältigung des Strukturwandels und zur Sicherung der Beschäftigung im Zuge des Ausstiegs aus dem Braunkohleabbau
Fördernehmer:
Gebietskörperschaften und sonstige öffentliche und private Träger im brandenburgischen Lausitzrevier
Konditionen:
variabler Fördersatz je nach Projekt und Antragstellenden
JTF Unternehmensförderung
Ziel:
Förderung für Investitionen von Unternehmen, die zur Bewältigung der Auswirkungen des Kohleausstieges beitragen
Fördernehmer:
kleine, mittlere und große Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft im brandenburgischen Lausitzrevier
Konditionen:
Zuschuss von bis zu max. 70 %
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